Staatsangehörigkeit

Zahl der Einbürgerungen steigt wieder leicht an

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Jeder Vierte, der einen deutschen Pass bekommt, stammt aus der Türkei. Auch in Hamburg sind wieder mehr Ausländer eingebürgert worden.

Wiesbaden. Im vergangenen Jahr sind 96.100 in Deutschland lebende Ausländer eingebürgert worden. Das waren 1650 Einbürgerungen mehr als 2008, allerdings deutlich weniger als im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2007, wie das Statische Bundesamt mitteilte. Tendenziell ist die Zahl der Einbürgerungen gesunken.

Rund ein Viertel (24.600) der Eingebürgerten stammte aus der Türkei. Danach folgten Einbürgerungen von Menschen aus dem ehemaligen Serbien und Montenegro sowie den Jugoslawien-Nachfolgestaaten (5700), aus dem Irak (5100) und Polen (3800). Die größte Zunahme gegenüber dem Vorjahr wurde bei Einbürgerungen aus Afghanistan (41 Prozent) und dem Irak (21 Prozent) festgestellt.

70 Prozent aller Eingebürgerten im vergangenen Jahr erwarben die deutsche Staatsangehörigkeit, weil sie sich mindestens acht Jahre lang rechtmäßig in Deutschland aufgehalten hatten und weiter eine gültige Aufenthaltserlaubnis besaßen.

In neun Bundesländern ging die Zahl der Einbürgerungen gegenüber dem Vorjahr zurück, davon am stärksten in Hessen (minus 713), Berlin (minus 557) und Niedersachsen (minus 481). Dagegen stieg sie in sieben Ländern an: am meisten in Bayern (plus 2065), Baden-Württemberg (plus 935) und Hamburg (plus 907). Dem Statistischen Bundesamt zufolge war insbesondere dort ein Anstieg zu beobachten, wo im Vorjahr der Rückgang besonders stark ausgeprägt gewesen war.

In der Debatte um schärfere Regeln für Einwanderer plädiert der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) für eine strengere Auslese. „Wir brauchen keine unqualifizierten Zuwanderer“, sagte er laut „Bild“-Zeitung. Einen Intelligenztest für Einwanderer, wie ihn der Berliner CDU-Innenexperte Peter Trapp gefordert hatte, lehnte Herrmann allerdings ab: „Diese Forderung geht an der eigentlichen Problematik vorbei.“ Der Minister ist jedoch dagegen, bei der Zuwanderung wie bisher familiäre und humanitäre Kriterien in den Vordergrund zu stellen.

Zuwanderung nach Deutschland müsse sich „stets am Arbeitskräftebedarf“ orientieren. „Hier hilft der IQ allein nicht weiter“, betonte Herrmann. „Wenn wir in Deutschland zum Beispiel Pflegekräfte brauchen, nutzt mir ein hoch gebildeter Akademiker gar nichts.“ Entscheidend müsse der Bedarf an leistungswilligen Arbeitnehmern sein.

Dagegen sprach sich der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), für eine Zuwanderungspolitik unabhängig vom Bildungsstand der Zuwanderungswilligen aus. Im Deutschlandradio Kultur sagte Bosbach, die Forderung seines Parteikollegen Trapp könne nicht „ernst gemeint“ sein. Die Hälfte der zuziehenden Migranten stamme ohnehin aus der EU.

( (epd/apn) )