Studie

Junge Muslime: Je gläubiger, desto brutaler

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Laut einer Studie des Bundesinnenministeriums sind junge Muslime mit wachsendem Glauben auch gewaltbereiter. Schuld seien die Imame.

Berlin. Eine besorgniserregende Entwicklung unter jungen Muslimen hat eine neue Studie festgestellt: Demnach wächst ihre Gewalttätigkeit mit zunehmender Bindung an den Islam. Mit der Religiosität nehme auch die Akzeptanz von Machokulturen und die Nutzung gewalthaltiger Medien zu. Dies geht aus dem zweiten Bericht zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Bundesinnenministeriums und des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN) hervor, das von dem Kriminologen Christian Pfeiffer geleitet wird.

Als Erklärungsansatz ziehen die Autoren Befunde des türkischstämmigen Religionswissenschaftlers Rauf Ceylan heran. Dieser hatte festgestellt, dass die Mehrheit der Imame in Deutschland, also der muslimischen Geistlichen, den Rückzug in einen konservativen Islam und in die eigene Ethnie fördert. Die meisten Imame seien nur zeitweise in Deutschland, könnten kein Deutsch und deshalb keine positive Beziehung zur deutschen Kultur aufbauen. Für sie sei die Dominanz der Männer selbstverständlich. Ihre Lehren förderten entsprechende Einstellungen bei muslimischen Jugendlichen.

Verantwortlich für die beschriebenen Phänomene sei nicht der Islam selbst, meinte Pfeiffer: "Das ist kein Problem des Islam, sondern der Vermittlung des Islam." Ceylan erklärte, zur Erklärung der Ergebnisse müssten viele Faktoren herangezogen werden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) teilte auf Anfrage mit, die Ergebnisse der Studie aus Hannover sollen unter anderem auch in die Diskussionen bei der Deutschen Islamkonferenz einfließen.

Niedersachsens Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) plädierte für "eine zielgerichtete Weiterbildung der Imame vor Ort in Deutschland" und verwies auf ein Modell in ihrem Bundesland. Grundsätzlich gelte: "Die jungen Menschen der dritten oder vierten Generation der Einwanderer brauchen positive Vorbilder." Kinder müssten so früh wie möglich die deutsche Sprache lernen, forderte Özkan, die selbst türkischer Abkunft ist. Den Eltern mit Migrationshintergrund müsse dazu gezeigt werden, "wie attraktiv Kindertagesstätten für ihre Kinder sind". Dort sei Umdenken nötig: "Es ist nichts Schlimmes oder Verwerfliches daran, sein Kind in eine Kita oder den Kindergarten zu geben. Die Mutterrolle leidet darunter nicht."

Das KFN befragte 2007/2008 bundesweit in 61 Städten und Landkreisen rund 45.000 Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse. Ein Schwerpunkt war die Frage, wie sich die Zugehörigkeit zu einer Religion und die persönliche Religiosität auf die Einstellungen und Verhaltensweisen von 14- bis 16-Jährigen und insbesondere auf die Integration junger Migranten auswirken. Das Ergebnis: Während junge Christen mit steigender Religiosität weniger Gewalttaten begehen, ist bei jungen, männlichen Muslimen das Gegenteil der Fall.

Die Gruppe junger Migranten ohne Konfession sei am besten in die deutsche Gesellschaft integriert. "Sie steuern beispielsweise zu 41,2 Prozent das Abitur an, haben zu 62,9 Prozent deutsche Freunde und fühlen sich zu 66,1 Prozent als Deutsche", erklären die Autoren der Studie. Bei jungen Muslimen sei dies anders: Sie verfolgten zu 15,8 Prozent den Abiturabschluss, hätten zu 28,2 Prozent deutsche Freunde und fühlten sich zu 21,6 Prozent als Deutsche.

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