Kirchen-Skandal

Neues von Mixa: Brisantes Dossier liegt seit April beim Papst

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Bischöfe hatten die Akte geschickt, deshalb nahm Benedikt den Rücktritt an. Reformkatholiken bezeichnen den Fall Mixa als einen Fall Benedikt.

Augsburg/Hamburg. Also doch: Die Akte über den umstrittenen Bischof Walter Mixa existiert und wurde nach Rom geleitet. Das hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) bestätigt. Eine entsprechende Akte liege bereits seit April beim Papst vor, wurde nach einer Sitzung des Ständigen DBK-Rates in Würzburg mitgeteilt. Die in verschiedenen Berichten aufgetauchten Vorwürfe gegen Mixa – angebliche Alkoholabhängigkeit sowie vermeintliche homosexuelle Annäherungsversuche – seien im April nach Rom weitergeleitet worden.

„Papst Benedikt XVI. hat daraufhin gehandelt und das Rücktrittsgesuch von Bischof Mixa angenommen“, hieß es weiter in der Mitteilung der Bischöfe. Der Papst hatte am 8. Mai seine Entscheidung bekannt geben lassen. Im Vordergrund stehe jetzt die persönliche Zukunft von Bischof Mixa, hieß es. „Vor allem die bayerischen Bischöfe sind darüber mit ihm im Gespräch.“

Mixa hatte in einem Interview vor einigen Tagen seinen Rücktritt wieder infrage gestellt und erklärt, er habe diesen nur unter massivem Druck seiner deutschen Amtsbrüder dem Vatikan angeboten. Eine Wiedereinsetzung Mixas als Bischof hat der Vatikan jedoch ausgeschlossen. Mixa wird Anfang Juli eine Audienz beim Papst haben.

Der Diözesanrat im Bistum Augsburg appellierte an Mixa, sich zu seinen weiteren Plänen zu erklären. „Das würde viel Überdruck aus dem Kessel nehmen“, sagte Diözesanratsvorsitzender Helmut Mangold. Nach einem Bericht der Tageszeitung „Augsburger Allgemeine“ gibt es Gespräche von Kirchenverantwortlichen mit Mixa und dessen Anwalt Gerhard Decker. Ziel sei eine Erklärung des ehemaligen Augsburger Bischofs, um die die Wogen im Bistum zu glätten, schreibt das Blatt.

Die Debatte um den Fall Mixa zeigt nach Ansicht der Reformbewegung „Wir sind Kirche“ massive Strukturprobleme der katholischen Kirche und einen riesigen Reformbedarf. Der Fall Mixa sei ein Lehrbeispiel für die Defizite und die mangelnde Transparenz bei Bischofsernennungen, sagte „Wir-sind-Kirche“-Sprecher Christian Weisner.

Mixa, damals noch Bischof von Eichstätt, war im Juli 2005 von Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Augsburg berufen worden. Dies sei eine der ersten Bischofsernennungen des jetzigen Papstes und damit auch „eine seiner ersten Fehlentscheidungen“ gewesen: „Die Causa Mixa ist auch eine Causa Benedikt.“ Es könne nicht angehen, dass jetzt nach diversen Vorwürfen der Zeigefinger nur auf Mixa gerichtet werde. Die entscheidende Frage sei: „Wer kann in der katholischen Kirche Bischof werden?“