Rücktritt

Kirchenexperte: Bischof Mixa leidet unter Wirklichkeitsverlust

Lesedauer: 2 Minuten

Foto: dpa / dpa/DPA

Pater Eberhard von Gemmingen sagte: „Er ist auch ein kranker Mann, und deswegen ist es eigentlich blöde, wenn man so viel Lärm um ihn macht."

Augsburg/Berlin/Rom. Die Diskussion um die Zukunft des Augsburger Ex-Bischofs Walter Mixa (69) dauert an. Der frühere Redaktionsleiter von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, sagte am Donnerstag im ZDF: „Bischof Mixa müsste zur Wirklichkeit zurückfinden. Er ist auch ein kranker Mann, und deswegen ist es eigentlich blöde, wenn man so viel Lärm um ihn macht.“

Mixa habe in zwei verschiedenen Welten gelebt, sagte von Gemmingen. „Er hat einen Wirklichkeitsverlust, und darüber muss er hinweg. Es ist schwer für ihn. Er bräuchte jetzt vor allem Freunde, die ihn an der Hand nehmen und sagen, so geht es nicht.“

Von Gemmingen zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass der Vatikan Mixa nicht auf den Bischofsstuhl zurückkehren lasse: „Er muss weg.“ Mixa hatte seinen Rücktritt am Mittwoch infrage gestellt. Er habe die Entscheidung nur unter großem Druck von außen getroffen, sagte er der „Welt“. Mixa erwägt, die Vorgänge um seinen Rücktritt vom Päpstlichen Gerichtshof untersuchen zu lassen. Der Vatikan stellte aber klar, dass es es keine Rückkehr geben wird.

Zwar werde Papst Benedikt XVI. Bischof Mixa in den „nächsten Wochen“ in Audienz empfangen. Es sei jedoch „nicht anzunehmen, dass die Entscheidung des Papstes noch einmal geändert werde“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die bayerischen Bischöfe wiesen Mixas Behauptung zurück, sein Rücktritt sei unter Mitwirkung anderer Bischöfe erzwungen worden. „Es ist alles rechtmäßig gelaufen“, sagte Konferenzsprecher Bernhard Kellner. „Zum Schutz des emeritierten Bischofs sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten.“ Mixa hatte sich nach Kirchenangaben in psychiatrischer Behandlung befunden – auch, um ein angebliches Alkoholproblem zu bewältigen. Ihm wird vorgeworfen, als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den 1970er und 1980er Jahren Heimkinder verprügelt und Geld der Trägerstiftung zweckentfremdet zu haben. Nach anfänglichem Abstreiten gab der Bischof körperliche Züchtigungen von Kindern teilweise zu. Ein von der Stiftung eingesetzter externer Sonderermittler hat die Vorwürfe weitgehend bestätigt.

( dpa/KNA/abendblatt.de )