Fall Mixa löst Debatte um Priester-Ehen aus

Foto: AP

Bamberger Erzbischof Ludwig Schick will Diskussion um Zölibat. Neue Verdachtsfälle sexueller Übergriffe im Bistum Würzburg

Augsburg/Rom. Die deutschen Bischöfe haben erleichtert auf die rasche Abberufung ihres umstrittenen Kollegen Walter Mixa (69) reagiert. Doch mit der neuerlichen Affäre um den ehemaligen Augsburger Bistumschef ist eine Diskussion um die Ehelosigkeit der katholischen Priester in Gang gesetzt worden. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagte dem "Spiegel", über das Thema Zölibat müsse diskutiert werden. Es gehöre zur Kirche. "Ich meine, Bischöfe, Ordensleute und Domkapitulare müssen es leben. Ob jeder Pfarrer das Zölibat leben muss, ist eine andere Frage."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, begrüßte die zügige Entscheidung des Papstes zu Mixa. Benedikt XVI. hatte Mixas Ersuchen um den vorzeitigen Amtsverzicht stattgegeben. Das soll er schon getan haben, bevor am Freitag Vorwürfe aufkamen, Mixa habe in seiner Zeit in Eichstätt (1996 bis 2005) einen Minderjährigen sexuell belästigt. Der Papst soll da von den neuen Vorwürfen allerdings schon gewusst haben.

Es dauert für gewöhnlich einige Tage, bis der Papst erst den Betroffenen und dann die Öffentlichkeit informiert. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt führt Vorermittlungen gegen Mixa. Mixa ließ die Vorwürfe über seinen Anwalt als unzutreffend zurückweisen. Der 69-Jährige hat sich in ein Schweizer Krankenhaus zurückgezogen. Dort wolle er noch zwei Wochen bleiben, um sich untersuchen und wegen "Problemen mit den Schleimbeuteln am Knie" operieren zu lassen, sagte Mixa der "Bild am Sonntag". Nach Informationen aus Kirchenkreisen soll Mixa wegen eines Alkoholproblems in Behandlung sein.

Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann erhob schwere Vorwürfe gegen Mixa. Es gebe leider immer wieder Menschen, die ihren Aufgaben in der Kirche nicht genügten. "Es bleibt eine erhebliche Verletzung des Vertrauens", sagte er dem ZDF. Mixa bleibt zwar formell geweihter Bischof auf Lebenszeit, hat aber keine Diözese mehr und ist auch nicht länger Militärbischof der Bundeswehr. Weihbischof Josef Grünwald (73) wird das Augsburger Bistum vorläufig leiten. Grünwald will einen "Weg der inneren Heilung und des Neuanfangs" beginnen. Die Ereignisse um Mixa hätten die Diözese zutiefst belastet und gespalten, schrieb Grünwald in einem offenen Brief an die Mitarbeiter der Diözese Augsburg.

Einen offenen Dialog über Sexualität und Kirche fordert der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mit seinen landesweit etwa 650 000 Mitgliedern. Neben lückenloser Aufklärung müssten nun Rahmenbedingungen geschaffen werden, um potenzielle neue Opfer in der Kirche zu verhindern, sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler auf der Hauptversammlung des Verbandes in Odenthal. Die tiefer greifenden Ursachen sexualisierter Gewalt in der Kirche müssten analysiert und verändert werden.

Unterdessen wurden zwei Priester im Bistum Würzburg wegen möglicher sexueller Übergriffe auf Kinder beurlaubt. Die Staatsanwaltschaft ermittele, teilte die Diözese mit.