Kommentar: Rücktritt von Bischof Mixa

Abgang eines Scheinheiligen

Karl Günther Barth

Bischof Walter Mixa wird kaum einer eine Träne nachweinen, vielleicht abgesehen von einigen Ewiggestrigen in der katholischen Kirche oder den unseligen Piusbrüdern. Mixa ist mit seinem Rücktrittsgesuch nicht dem Druck der Straße gewichen, sondern einer Kirche, die sich offenbar gerade neue Regeln für den Umgang mit Missetätern in den eigenen Reihen gibt.

Walter Mixa ist erst einmal an sich selber gescheitert. Der Gottesmann hat falsches Zeugnis abgelegt, als ihn ehemalige Schutzbefohlene der Ausübung körperlicher Gewalt bezichtigten. Er ist auch nicht nur an seiner Schlagfertigkeit gescheitert, sondern an kruden gesellschaftspolitischen Vorstellungen, mit denen er etwa die sexuelle Revolution und - wofür die nicht alles herhalten müssen - die 68er für die Anfechtungen des Zölibats verantwortlich machte. Das heißt auch: für pädophile Verbrechen von Priestern. Da ist eigentlich nur nebensächlich, wenn Mixa auch noch in die Kasse gegriffen und sich aus Stiftungsgeldern Antiquitäten beschafft hat.

Der Scheinheilige von Augsburg ist aber vor allem deswegen gescheitert, weil sich die Kirche geändert hat - mehr von unten als von oben. Die Zeit des quälenden Aussitzens solcher Skandale ist vorbei. Die Gläubigen lassen sich nicht mehr vertrösten, sie verlassen die Kirche. Es waren die Laienorganisationen, die Druck auf das schwarze Schaf unter den deutschen Oberhirten gemacht haben - und der Priesterrat der eigenen Diözese. Männer, die Mixa zum Teil selbst geweiht hat. Am Ende ein für die katholische Kirche unglaublicher Vorgang. Die deutschen Bischöfe raten einem der ihren öffentlich: Bruder, deine Zeit ist abgelaufen.

Mixa kann aber nicht selbst zurücktreten, der Papst muss ihn entlassen. Am besten stante pede. Papst Benedikt kennt sie noch, die alte Kirchensprache Latein. Es heißt auf Deutsch: auf der Stelle.