Krebs-OP bei Oskar Lafontaine

Linkspartei: "Die Personaldebatte ist geschmacklos"

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Barbara Möller

Der Parteivorsitzende der Linken ist gestern wegen Prostatakrebs operiert worden. SPD und Union senden Genesungswünsche.

Berlin. Das politische Freund-Feind-Raster ist gestern gehörig durcheinandergeraten. Während selbst alte und scheinbar unversöhnliche Gegner dem Linkspartei-Vorsitzenden Oskar Lafontaine ihre Genesungswünsche zukommen ließen, bekamen die SED-Nachfolger die von Bodo Ramelow losgetretene Nachfolgedebatte nicht unter Kontrolle. Der thüringische Linken-Fraktionsvorsitzende hatte der "Leipziger Volkszeitung" am Mittwoch gesagt, es müsse in Zukunft ohne Lafontaine gehen. Dass Ramelow gestern im ZDF-Morgenmagazin mit der Erklärung zurückruderte, die Nachfolgeregelung sei "nicht tagesaktuell", hat die Lage parteiintern nicht beruhigt. Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch fühlte sich veranlasst zu sagen, dass Lafontaine seine Arbeit im Januar wieder aufnehmen werde. "Oskar Lafontaine ist heute operiert worden", sagte Bartsch dem Nachrichtensender N24, "und es gibt überhaupt keinen Grund, über irgendetwas zu spekulieren." Er sei sehr zuversichtlich, so Bartsch, dass Lafontaine im kommenden Mai erneut für den Parteivorsitz kandidieren werde. Was Ramelow am Mittwoch gesagt habe, sei "natürlich zutiefst unglücklich" gewesen.

Auch der stellvertretende Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst war deutlich verärgert. "Es ist geschmacklos", sagte Ernst in Berlin, "jetzt ungefragt Namen ins Spiel zu bringen, wo wir einen amtierenden Vorsitzenden haben." Er könne "alle in der Partei" nur davor warnen, jetzt Personaldebatten zu beginnen: "Das wäre schädlich für die Linke und außerdem moralisch verwerflich." Ernst schickte noch eine zusätzliche Warnung an "die politischen Konkurrenten". Die, sagte er, sollten sich angesichts der losgebrochenen Debatte in der Linkspartei keinen "falschen Hoffnungen hingeben".

Die politischen Konkurrenten taten unterdessen das, was man von der Linkspartei erwartet hätte, die sich das Wort Solidarität so oft auf ihre Banner schreibt: Sie zeigten sich betroffen und übermittelten Oskar Lafontaine ihre besten Wünsche. Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber sagte, es mache ihn betroffen, "dass Oskar Lafontaine nach dem schweren Attentat erneut vor einer großen gesundheitlichen Herausforderung" stehe. Er wünschte "Gottes Segen für eine rasche und volle Genesung". Auch Rudolf Scharping äußerte sich mitfühlend. "Seine Politik ist rückwärtsgewandt und schädlich für Deutschland", sagte Scharping über den einstigen Parteigenossen, der ihm 1995 den SPD-Parteivorsitz entriss, "aber wenn es um die Gesundheit geht, muss man über politische Gräben hinwegsehen." Sogar aus Hannover kam ein Zeichen der Anteilnahme. Doris Schröder-Köpf schickte eine Mail, in der es hieß: "Lieber Oskar, die Zeit ist vergangen, die Wut auch. Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute. Liebe Grüße." Der CSU-Politiker Peter Gauweiler, der gemeinsam mit Lafontaine gegen den Lissabonner EU-Vertrag geklagt hat, nannte Lafontaine "den herausragendsten Parlamentarier in ganz Deutschland" und rief ihm zu: "Du wirst noch gebraucht - unabhängig vom langweilig Parteipolitischen, das uns beiden sowieso immer egal war."

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der Linken gestern "eine Belastungsprobe erster Ordnung" für den Fall voraus, dass Lafontaine seine Ämter aufgeben müsse. "Dann wird diese Partei zerfallen." Eine aktuelle Emnid-Umfrage für den Nachrichtensender N24 zeigt, dass Nahles mit dieser Prognose nicht alleine steht. 50 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass es der Linken schaden wird, sollte sich Lafontaine zurückziehen.