Syrien-Konflikt

Türkischer Premier sendet Friedenssignale aus

Premierminister Erdogan versicherte, die Türkei wolle keinen Krieg mit dem Nachbarland. Syrien schweigt sich zum Angriff aus.

Istanbul/Damaskus/München. Im türkisch-syrischen Konflikt deutet sich Entspannung an: Türkeis Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sendet nach ihrem Vergeltungsschlag auf Ziele in Syrien Friedenssignale aus. Erdogan versicherte, die Türkei wolle keinen Krieg mit dem Nachbarland, berichteten türkische Medien. Syriens Staatsmedien schwiegen sich am Freitag über den Angriff aus, die Regierung von Präsident Baschar al-Assad übernahm keine Verantwortung für den Granatenbeschuss des türkischen Grenzdorfs.

Nachdem das türkische Parlament am Vortag Militäreinsätze im Nachbarland erlaubt hatte, sagte Vizeregierungschef Besir Atalay bereits, das Mandat sei kein Freibrief für einen Krieg, sondern ein Mittel zur Abschreckung. Bei dem syrischen Granatenangriff waren am Mittwoch in dem türkischen Dorf fünf Menschen, eine Frau und ihre vier Kinder, getötet worden. Die Türkei feuerte wenig später zurück.

Syrien hat auch zwei Tage nach dem Angriff noch nicht die Verantwortung für den Tod der Zivilisten übernommen. Die syrischen Staatsmedien berichteten nicht über das Thema. Das Ergebnis der von der Regierung angekündigten Untersuchung zu dem Angriff wurde bislang nicht veröffentlicht. Die Regierung hatte der Türkei zwar ihr Beileid ausgesprochen, der syrische UN-Botschafter in New York, Baschar al-Dschafari, betonte aber, dies sei aus „Solidarität“ mit der Familie der Getöteten geschehen. Es sei aber keine „Entschuldigung“ gewesen.

Die SOS-Kinderdörfer fordern unterdessen die Einrichtung eigener Schutzzonen für Kinder in Syrien. In einem dringlichen Appell an die Bundesregierung und die Vereinten Nationen bitten sie diese, sich für dieses Anliegen bei den gegnerischen Parteien einzusetzen, wie es in einer am Freitag in München veröffentlichten Erklärung der Organisation heißt. In dem Konflikt seien bereits Tausende Kinder getötet worden. Die Kämpfer nähmen auf sie kaum Rücksicht. Teilweise würden Mädchen und Jungen sogar als Schutzschilde missbraucht.

„Hier ist eine rote Linie weit überschritten“, sagte der Sprecher der SOS-Kinderdörfer, Louay Yassin. Die Welt müsse dringend auf alle Beteiligten einwirken, wenigstens die Kinder zu schützen. Die Uno hätten das Land wegen der hohen Zahl getöteter Kinder bereits auf die sogenannte Liste der Schande gesetzt. Obwohl „grundsätzlich strikt neutral“, habe auch das SOS-Kinderdorf in Aleppo evakuiert werden müssen. Ein Bleiben sei nicht mehr verantwortbar gewesen.

Selbst die Evakuierung war jedoch sehr gefährlich, wie Yassin mitteilte. In einer abenteuerlichen Fahrt seien Kinder und Mütter ins SOS-Kinderdorf nach Damaskus gebracht worden. Dort stelle sich die Lage derzeit zwar als relativ ruhig dar, allerdings sei auch ständig Gewehrfeuer zu hören. Die Kinder dürften deshalb das Dorf nicht verlassen.

Die Hilfsorganisation hat nach eigenen Angaben in Damaskus ein Nothilfeprogramm aufgebaut, so dass derzeit rund 4.000 Kinder und Erwachsene betreut werden, die wegen der Kämpfe ihre Wohnungen verlassen mussten. Sie seien übergangsweise in Schulen, Turnhallen oder bei Familienangehörigen untergekommen. Nicht selten wohnten 30 bis 40 Menschen in einer Zweizimmerwohnung. Die SOS-Kinderdörfer versorgten diese Menschen mit dem Nötigsten wie Nahrungsmitteln, Kleidung und Dingen des täglichen Bedarfs.