Sarah Brown im Internet

Wenn die First Lady twittert

Die britische First Lady Sarah Brown geht via Twitter auf Sendung. Doch ihre News sind banal: „Tee getrunken; Büro aufgeräumt; Briefe geschrieben"

So sieht eigentlich der Terminkalender eines Showstars aus: Treffen mit Supermodel Naomi Campbell, Abendessen mit Hotelerbin Paris Hilton und Besuch einer schillernden Schwulenparade. Doch als Showstar war Sarah Brown bislang nicht bekannt. Die Frau an der Seite des britischen Premierministers hatte in den beiden ersten Amtsjahren von Gordon Brown eher unauffällig agiert, für wohltätige Zwecke geworben und sich sonst um die beiden Kinder gekümmert. Doch nun sucht die 45-Jährige zunehmend das Rampenlicht. Und die First Lady lässt die Öffentlichkeit mit Hilfe des Kurznachrichtendienstes Twitter an ihrem Leben teilhaben.

Die Briten fragen sich: „Was hat das Zwitschern aus der Downing Street zu bedeuten?“ Sarah Brown scheint Spaß zu haben. Anders als ihr Mann (58), dem Wirtschaftskrise, Umfragetief und fehlender Rückhalt in der Partei derzeit arg zusetzen, und der bei der kommenden Wahl wohl auf eine Niederlage zusteuert, scheint Sarah in der Rolle als First Lady nochmal richtig aufzublühen. Mittlerweile verfolgen knapp 415.000 Menschen ihre mehr oder weniger seichten Twitter-Meldungen nach dem Motto:„Letzte Schulwoche, Countdown zur Sommerpause läuft. Habe den heutigen Tag genutzt, um Büro aufzuräumen und Briefe zu schreiben. War lange überfällig.“

Und auch wenn sie ihren Mann auf Reisen begleitet, sind ihre Mitleser immer auf dem Laufenden. „Im Morgengrauen aufgestanden“, „im Konferenzhotel angekommen. Das Treffen der Regierungschefs dauert bis zum Abend, ich trinke erstmal eine schöne Tasse Tee“, twitterte sie vom G8-Gipfel im italienischen L’Aquila vor sich hin.

Mit politischen Kommentaren hält sich Sarah Brown indes zurück. Und angeeckt, wie ihre Vorgängerin Cherie Blair, ist sie auch noch nicht. Theorien für den Grund dieser neuen Mitteilsamkeit gibt es viele. Manche Beobachter meinen, sie will das angeschlagene Image ihres Mannes aufpolieren. Oder sie fühlt sich ein wenig getrieben, wenn sie sieht, welch einen Wirbel die Medien um andere First Ladys wie Carla Bruni-Sarkozy oder Michelle Obama machen.

Möglicherweise macht ihr der Promizirkus auch Spaß. Oder sie denkt, dass ihr kein Jahr mehr bleibt, als Frau eines Regierungschefs für wohltätige Zwecke zu werben – denn nach sämtlichen Umfragen muss das Ehepaar Brown Mitte2010 die Downing Street Nummer 10 räumen, weil dann Oppositionschef David Cameron als frisch gewählter Premierminister dort einzieht.

Jedenfalls darf man annehmen, dass Sarah weiß, was sie tut, denn sie ist eine Fachfrau für Öffentlichkeitsarbeit und leitete vor ihrer Eheschließung im Jahr 2000 ihre eigene PR-Firma. Ihr Ex-Mitarbeiter David Yelland glaubt, dass es ihr um das Image ihres Mannes geht. „Sie empfindet, dass einem der schlausten und moralischsten Premierminister, die wir je hatten, große Ungerechtigkeit widerfährt.“ Schriftstellerin Kathy Lette, die Sarah seit mehr als 20 Jahren kennt, ist hingegen überzeugt, dass die Promi-Termine bei Wohltätigkeitsveranstaltungen nur den Zweck haben, anderen zu helfen.

Dabei stieg Sarah schon einmal für ihren Mann in den Ring. Im vergangenen Herbst sah er sich bei katastrophalen Umfragewerten einer aufkeimenden innerparteilichen Rebellion ausgesetzt. Vor einer entscheidenden Parteitagsrede betrat Sarah überraschend für alle die Bühne und kündigte ihren Gordon mit den Worten an:„Mein Mann, der Chef der Labour-Partei, Euer Premierminister“. Dann küsste sie ihn, und Brown hielt eine beachtliche Rede, die ihm den Kopf rettete. Doch sollte es sich um einen Versuch handeln, das mitunter knurrige und trockene Image ihres Mannes aufzupolieren, könnte der Schuss nach hinten losgehen. Denn ihre Offensive zeigt, was ihrem Mann fehlt. An der Seite von Prominenten wirkt er oft unbeholfen, er twittert nicht und hat mit oder ohne Computer Schwierigkeiten, Wärme auszustrahlen und Kontakt zum Wahlvolk zu knüpfen. Und ein einmaliger Ausflug in die Youtube-Welt wurde zum peinlichen Flop. Selbst Parteifreunde kritisierten die bizarr anmutende Rede im Videoportal voller falscher Betonungen und Lacher an unpassender Stelle.