Anschläge in Afghanistan

Steinmeier: "Das war kaltblütiger Mord"

Außenminister Steinmeier zeigt sich erschüttert über die Anschläge während seines Afghanistan-Besuches. Inzwischen sieht die Bundeswehr eine neue Qualität der Attacken auf deutsche Soldaten. Lafontaine sprach sich bereits für einen Abzug der Truppen aus.

Masar-i-Sharif. Nach den Anschlägen auf die Bundeswehr in Afghanistan hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) das Feldlager Masar-i-Scharif im Norden des Landes besucht und dort Verletzten Mut zugesprochen. Steinmeier traf am frühen Vormittag mit einem Bundeswehrflugzeug aus Kabul in dem Lager ein, wo sich das Feldkrankenhaus der deutschen Afghanistan-Truppen befindet. Steinmeier stattete sieben Soldaten einen Besuch ab, die bei den Anschlägen am Vortag verletzt worden waren. Ein Soldat war getötet worden. Es war der 32. tote deutsche Soldat in Afghanistan.

In einer kurzen Ansprache verurteilte Steinmeier die Anschläge nochmals. "Die Täter schrecken auch vor kaltblütigem Mord nicht zurück, um ihr Ziel zu erreichen." Deutschland werde sich von seinen Engagement von dem Wiederaufbau Afghanistans und der Bekämpfung des Terrorismus aber nicht abbringen lassen. "Nie wieder darf Afghanistan der Hort für weltweit agierenden Terrorismus werden." Den Angehörigen des getöteten Soldaten sprach der Außenminister sein Beileid aus.

Der Soldat war bei dem zweiten Anschlag am Mittwochabend bei einer Patrouillenfahrt in der Nähe des deutschen Lagers in Kundus mit seinen Kameraden in einen Hinterhalt geraten und getötet worden. Vier weitere Soldaten wurden bei dem Feuergefecht leicht verwundet. Wenige Stunden zuvor waren bereits bei einem Selbstmord-Attentat in der Nähe von Kundus fünf andere deutsche Soldaten leicht verletzt worden. Zu der Tat hatte sich die radikal- islamische Taliban-Miliz bekannt. Vermutet wird, dass sie auch hinter dem zweiten Anschlag steckt.

Die Bundeswehr geht von einer neuen Qualität der Angriffe der radikal-islamischen Taliban aus. Der Angriff sei militärisch geplant gewesen, sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan. "Das war eine geplante, man könnte fast sagen eine militärisch geplante Aktion." Bisher sei die Taktik anders gewesen, kurzfristige Aktionen oder Selbstmordanschläge wie bei dem ersten Angriff am Mittwoch morgen, bei dem fünf Soldaten verletzt wurden.

Angesichts der Anschläge hat die Linkspartei den Abzug der Bundeswehr aus dem Land gefordert. Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine sagte: "32 tote deutsche Soldaten in Afghanistan mahnen uns."