Islamistische Anschläge gegen Kirchen

Mindestens 40 Opfer bei Explosionen in Nigeria

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Bei einer Serie von Anschlägen sind am ersten Weihnachtstag mindestens 40 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden.

Lagos. Bei Bombenanschlägen auf Kirchen in Nigeria sind am ersten Weihnachtstag mindestens 40 Menschen getötet worden. Einsatzkräfte bargen allein aus einer schwer beschädigten katholischen Kirche in der Nähe der nigerianischen Hauptstadt Abuja 35 Tote, wie der britische Sender BBC berichtete. Zu den Anschlägen bekannte sich die radikalislamische Sekte Boko Haram. Diese bezeichnet sich als „nigerianische Taliban“ und lehnt westliche Lebensformen ab. Bereits im vergangenen Jahr gab es mehr als 80 Tote bei Angriffen auf christliche Weihnachtsfeiern in dem westafrikanischen Land.

Der Vatikan verurteilte den Bombenanschlag auf die Kirche am ersten Weihnachtsfeiertag in schärfster Form. Das Attentat zeuge leider erneut „von der Grausamkeit eines blinden und absurden Hasses, der keinerlei Respekt vor dem menschlichen Leben hat“, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom.

Bundespräsident Christian Wulff erklärte, dass diese feige Gewalt von keiner Religion gedeckt sei. „Besonders verabscheuungswürdig ist, dass sich die Anschläge gegen Menschen richteten, die sich friedlich an Weihnachten in ihren Gotteshäusern versammelt hatten“, sagte er.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte Freunde, Partner und Gleichgesinnte aus der aller Welt auf, sich dem Übel von Terrorismus, Gewalt und Unterdrückung mit ganzer Kraft entgegenzustellen. Dies gelte für Afghanistan und Nigeria, aber auch für Syrien, Weißrussland und anderswo.

Nigeria ist mit etwa 150 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Süden leben hauptsächlich Christen, im Norden Muslime. Polizeiminister Caleb Olubumi kündigte an, mehr Sicherheitskräfte vor Kirchen zu postieren.

Bis zu 90 Tote bei blutigem Sekten-Terror

Mindestens 20 Tote bei Zusammenstößen in Nigeria

Nach tagelangen Gefechten zwischen Regierungstruppen und den Kämpfern der Boko-Haram-Sekte im Nordosten des Landes ist die Lage in Nigeria ohnehin gespannt. Seit Donnerstag wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 100 Menschen getötet, darunter auch 50 Sektenmitglieder. Viele Bewohner sind auf der Flucht vor den Unruhen.

Am ersten Weihnachtstag explodierte ein Sprengkörper vor der Kirche St. Theresa in der Stadt Madalla bei Abuja. Eine weitere Explosion ereignete sich nahe einer Kirche in der zentralnigerianischen Stadt Jos. Hier wurden ein Polizist getötet und

mehrere Menschen verletzt, wie Augenzeugen berichteten. Im nordöstlichen Bundesstaat Yobe, in dem die Sekte Boko Haram besonders aktiv ist, starben nach Angaben eines Reporters des Senders BBC vier weitere Menschen. Aus Angst vor weiteren Anschlägen auf Kirchen hätten in der Hauptstadt Abuja viele Christen frühzeitig die Weihnachtsmessen verlassen, berichteten nigerianische Medien.

In Madalla ging gerade eine Weihnachtsmesse zu Ende, als die Bombe explodierte. Die Polizei vermutet, es könne sich möglicherweise um eine Autobombe gehandelt haben. Unter den Toten war mindestens ein Polizist. Zudem wurden zahlreiche Menschen verletzt. Die Rettungskräfte befürchten weitere Todesopfer, sagte ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur dpa. Viele Leichen seien durch die Explosion verstümmelt, was eine Identifikation erschwere, berichteten Augenzeugen. Auch umliegende Gebäude wurden durch die Explosion beschädigt.

Ein Mann, der seine Schwester bei dem Anschlag verlor, schilderte die Ereignisse so: „Als wir aus der Kirche kamen, ging ich noch einmal zurück, weil ich eine Weihnachtskarte vergessen hatte. Kurz darauf hörte ich einen Knall. Alles, was ich sah, war Rauch und Menschen, die schrien und herumliefen. Dann sah ich die Fetzen der Kleider meiner Schwester.“ Man habe nicht genug medizinische Ausrüstung, um alle Opfer in Madalla zu versorgen, erklärte ein Behördensprecher. Es fehle vor allem an Rettungswagen.