Kosovoeinsatz der Bundeswehr

Serben widersetzen sich Tadic - Barrikaden sollen bleiben

Die Serben in Nordkosovo sind weiter in unversöhnlicher Stimmung. Westerwelle verurteilt den serbischen Konfrontationskurs.

Pristina/Belgrad. Die Lage im Nordkosovo spitzt sich zu: Die Kosovo-Serben widersetzen sich dem Appell des serbischen Staatspräsidenten Boris Tadic, ihre mehr als 20 Barrikaden im Norden des Landes zu räumen. „Weder können noch wollen wir dem Volk sagen, dass es die Blockaden beseitigen soll“, sagte der Bürgermeister der Stadt Mitrovica, Krestimir Pantic. Auch andere Serbenführer lehnten die Tadic-Forderung mit der Begründung ab, dieser habe die Straßensperren bisher als legitimes Protestmittel unterstützt.

Das Staatsoberhaupt hatte am Vortag seine Landsleute zur Beseitigung der seit Monaten von ihnen gegen die internationale Schutztruppe KFOR verteidigten Barrikaden aufgefordert. „Die Barrikaden tragen nicht zur Verteidigung der nationalen serbischen Interessen bei. Ganz im Gegenteil gefährden sie diese“, erklärte er. Durch die Straßensperren rücke der für Anfang Dezember angestrebte EU-Kandidatenstatus in immer weitere Ferne.

Die Serben in Nordkosovo hatten im Gegenteil im Ort Jagnjenica eine neue Barrikade errichtet und eine zweite mit Beton verstärkt. Das hatte die KFOR-Truppe nach eigener Ankündigung mit allen Mitteln verhindern wollen. Die von der Nato geführten Soldaten griffen dann aber doch nicht ein.

Serben drohen KFOR mit Gewalt

Die Serben in Nordkosovo weichen nicht von ihrem Konfrontationskurs mit der Schutztruppe KFOR ab. Mit allen Mitteln stemmen sie sich gegen das Räumen ihrer Barrikaden und drohen mit Gewalt. Am Dienstag standen sich beide Seiten im Dorf Jagnjenica westlich der Stadt Mitrovica nur wenige Meter entfernt gegenüber. Die Soldaten ließen verlauten, sie wollten auch mit Gewalt eine neue serbische Barrikade verhindern. Serbiens Staatschef Boris Tadic sieht sein Land wegen der Zusammenstöße am Vortag mit 25 verletzten deutschen und österreichischen Soldaten sowie 30 verletzten Serben immer weiter von der EU entfernt.

Tadic rief die KFOR auf, von neuen gewaltsamen Räumungen serbischer Barrikaden abzusehen. Seine Landsleute sollten im Gegenzug ihre seit Monaten verteidigten Blockaden abbauen, verlangte das Staatsoberhaupt in Belgrad. „In dieser Situation haben nur die Extremisten einen Vorteil, und in dieser Atmosphäre kann man die Probleme nicht lösen“, sagte er weiter. „Jetzt sind wir weiter vom Status eines EU-Kandidaten entfernt als vorgestern“, bemerkte er. Die EU-Staats- und Regierungschef wollen am 9. Dezember darüber entscheiden.

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Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Übergriffe von Angehörigen der serbischen Bevölkerungsgruppe auf KFOR-Soldaten. „Sie sind völlig inakzeptabel und müssen umgehend gestoppt werden“, erklärte Westerwelle in Berlin. Sowohl im Norden Kosovos als auch in Serbien müsse verstanden werden, dass die territoriale Integrität des Kosovo nicht zur Disposition stehe.

Serbien hat nach Zusammenstößen am Montag schwere Beschuldigungen gegen deutsche Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR erhoben. „Ich bin enttäuscht über das Verhalten der deutschen Soldaten, weil sie überhaupt keinen Grund hatten, gestern den Zwischenfall hervorzurufen“, sagte der Staatssekretär im serbischen Kosovo-Ministerium, Oliver Ivanovic, im regionalen Fernsehen in Zvecan.

Serbische Zeitungen berichteten in Belgrad, die KFOR-Soldaten hätten ohne Vorwarnung manchmal aus nur drei Metern Entfernung Gummigeschosse abgefeuert. Auch seien „Schockgranaten“ eingesetzt worden. Nach Darstellung von Ivanovic müssen sich „besonders die deutschen Soldaten“ darauf einstellen, dass sie „in einer Umgebung sind, wo sie nicht willkommen sind“.

Die Serben haben seit mehreren Monaten den Norden des Kosovos durch rund 20 Barrikaden blockiert. Sie wollen damit erreichen, dass von zwei Grenzübergängen Zöllner und Polizisten der albanisch geführten Regierung des Kosovo abgezogen werden. Die KFOR hatte wiederholt den Abbau der Straßensperren verlangt und auf ihren Auftrag verwiesen, für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit zu sorgen. (dpa)