Der Iran soll ein Attentat auf Saudi-Arabiens Botschafter in Washington geplant haben. Es wurde eine weltweite Terrorwarnung veröffentlicht.

Hamburg. Es liest sich wie das Drehbuch eines Agentenfilms: Ein Verbrecher aus dem Drogenmilieu wird von einem Schurkenstaat angeheuert, um einen Politiker im Reich des Erzfeindes aus dem Weg zu schaffen. Zu skurril, um wahr zu sein? Oder gerade deshalb glaubwürdig? „Die Vorstellung, dass sie zu einem mexikanischen Drogenkartell gehen, um einen Auftragskiller anzuheuern, um den saudiarabischen Botschafter zu ermorden – das kann doch niemand erfinden, oder?“ glaubt US-Außenministerin Hillary Clinton.

Nach Überzeugung der USA wollten iranische Agenten einer Spezialeinheit der Revolutionsgarde mithilfe der mexikanischen Rauschgiftmafia den saudiarabischen Botschafter in Washington, Adel Al-Dschubair, umbringen lassen. Der ausgesuchte Auftragsmörder galt als Mann mit „glaubwürdiger, langer Geschichte, absolut fähig, die Art von Operation auszuführen“, wie Mike Rogers vom Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses beschreibt.

Was die mutmaßlichen Auftraggeber wohl nicht wussten, war, dass der Mann im Dienste der US-Regierung stand: Er wurde der US-Darstellung zufolge als Informant der amerikanischen Drogenbehörde DEA in den mexikanischen Drogensumpf entsandt, um Rauschgifthändler aufzuspüren. Im Gegenzug seien ihm Strafvorwürfe wegen Drogenvergehen erlassen worden. Auf seiner Mission habe er sich als zuverlässig erwiesen, deshalb hätten die US-Behörden ihm vertraut, als er mit seinem Bericht über Attentatspläne zu ihnen gekommen sei.

Codename „Chevrolet“

Im Mai 2011 soll sich der Informant in Texas mit einem Amerikaner mit iranischem Pass namens Manssor Arbabsiar getroffen haben. Dieser erkundigte sich den Ermittlungsakten zufolge zunächst nach der Möglichkeit eines Anschlags auf eine saudiarabische Botschaft. Später sei bei – vom Informanten aufgezeichneten – Gesprächen in Mexiko Botschafter Al-Dschubair ins Visier genommen worden. Als Ort sei das Lieblingsrestaurant des Diplomaten ausgewählt worden.

+++ Anschlagsplan gegen das Pentagon aufgedeckt +++

Am besten wäre es, wenn nur der Botschafter getötet würde, wird Arbabsiar zitiert, aber manchmal habe man „keine Wahl“. Die Möglichkeit, dass mehr als 100 Restaurantbesucher einem Anschlag zum Opfer fallen könnten, tut der Kontaktmann den Ermittlungsakten zufolge als „keine große Sache“ ab.

Arbabsiar habe eingeräumt, dass er über seinen Cousin von einem ranghohen Mitglied der iranischen Spezialeinheit Al-Kuds den Auftrag erhalten habe, einen Auftragsmörder anzuheuern, heißt es in den Akten. Der Auftrag unter dem Codenamen „Chevrolet“ soll 1,5 Millionen Dollar wert gewesen sein. Arbabsiar wurde Ende September am New Yorker Flughafen John F. Kennedy festgenommen. Gegen einen zweiten Verdächtigen wurde Anklage erhoben, er befindet sich im Iran auf freiem Fuß.

Teheran wehrt sich

Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani wies die Vorwürfe als „kindisches Spiel“ zurück. Teheran habe normale Beziehungen mit Saudi-Arabien. „Es gibt keinen Grund für den Iran, solche kindischen Akte auszuführen.“

Tatsächlich drängt sich kein Motiv für das mutmaßliche Komplott auf. Eine Ermordung hätte zwar in Saudi-Arabien anti-amerikanische Stimmung schüren können, doch der iranische Fingerabdruck wäre wohl nicht verborgen geblieben. Vergeltungsmaßnahmen nicht ausgeschlossen.

(abendblatt.de/dpa/dapd)