In der Isolation wächst der Wahn

Auch Timothy McVeigh und der "Unabomber" Ted Kaczynski nahmen ungerührt viele Tote in Kauf

Manifeste, krude Weltrettungsfantasien, lange und sorgfältig geplante Anschläge: Zum Fall des norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik gibt es Parallelen. 1995 verübte der Amerikaner Timothy McVeigh einen Bombenanschlag auf das Gebäude einer Bundesbehörde in Oklahoma City, bei dem 168 Menschen getötet und mehr als 800 verletzt wurden. Es war das bis dahin schwerste Attentat in der Geschichte der USA. McVeigh, ein Waffennarr, sympathisierte mit rechtsextremistischen Milizen, gehörte aber keiner von ihnen an. Mit seinem hohen IQ von 126 hätte er mehr werden können als Sicherheitsmann und Waffenverkäufer, stattdessen liebte er die Einsamkeit der Wälder und steigerte sich in den Wahn hinein, die USA stünden vor dem Zusammenbruch. Er deckte sich mit Wasservorräten und Konserven ein und entwickelte einen Hass auf den Staat. Radikalisiert habe ihn der Sturm von FBI-Beamten 1993 auf eine Sekte in Texas, sagte er später. 1997 verurteilte ihn ein Bundesgericht zum Tode, 2001 wurde er hingerichtet. Zu zwei Mithelfern, Terry Nichols und Michael Fortier, hatte er keine tief gehende Beziehung. Sie wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Der sogenannte Unabomber Theodore (Ted) Kaczynski verschickte zwischen 1978 und 1995 insgesamt 16 Briefbomben an Wissenschaftler, Fluggesellschaften und Industrielobbyisten (una: Abk. für "university and airline"). In einem 35 000 Wörter langen Manifest, das er 1995 anonym an Zeitungen schickte, forderte er eine Abkehr von der seiner Meinung nach fatalen Technisierung der Welt. Ted Kaczynski hatte als hochbegabter junger Mathematiker an mehreren Universitäten gelehrt, bevor er sich 1970 mit 26 Jahren in eine selbst gebaute Holzhütte in den Bergen von Montana zurückzog, wo er auch seine Briefbomben herstellte. Identifiziert wurde er von seinem Bruder anhand des Schreibstils in dem Manifest, das in der "New York Times" veröffentlicht wurde. Bekannte schilderten ihn als sozial unzugänglich. Er verbüßt eine lebenslange Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis. Kaczynski wie auch McVeigh zeigten keinerlei Reue.