Washington

Aufsteiger trifft Absteiger – Hu Jintao besucht Obama

Chinas Staatschef begegnet dem US-Präsidenten auf Augenhöhe. Klimapolitik und Wirtschaftsfragen werden zu Reizthemen.

Frankfurt/Main. Chinas Staatschef Hu Jintao lässt sich gern ins rechte Bild setzen. Während er bei seinen Staatsbesuch in Washington mit Pomp empfangen wird, flimmern am New Yorker Times Square China-Werbefilme von den Großbildwänden. In der aufwendigsten Werbekampagne ihrer Geschichte macht die Volksrepublik Werbung für sich selbst. Auch vonseiten den USA wurde noch niemals der Staatsbesuch eines chinesischen Präsidenten so intensiv vorbereitet. Mehr als ein Dutzend US-Emissäre drückten sich in Peking vorab die Klinken in die Hand.

Der Aufwand hat gute Gründe: Ins Weiße Haus kommt inzwischen nicht mehr der Präsident eines Schwellenlandes. In Washington treffen sich die neue und alte Supermacht des 21. Jahrhunderts. Mit großer Spannung fragen sich Beobachter, ob sich die beiden Mächte auf dem Giganten-Gipfel in den großen Streitfragen wie der Währungspolitik einigen können.

Dass sich die beiden Mächte schon jetzt auf Augenhöhe begegnen, hat China auch der Finanzkrise zu verdanken. Sie hat den Aufstieg des Riesenreichs nochmals beschleunigt. "Die Volksrepublik steigt sehr schnell auf, da der Westen an Boden verliert", sagt Investoren-Legende George Soros. "Die Machtverschiebung ist phänomenal. Ich habe so etwas noch nie erlebt." Chinas großer Vorteil: Das Land verfügt in Überfluss über das, woran es den USA und vielen anderen Ländern auf der Welt fehlt: Geld. Nach einer Meldung der "Financial Times" hat China allein in den vergangenen zwei Jahren mehr Kredite an Entwicklungsländer vergeben als die von den USA dominierte Weltbank. Anders als die USA, die mit den Folgen der Finanzkrise kämpfen, hat China die große Krise kaum zu spüren bekommen.

Mit großem Selbstvertrauen reist Hu Jintao deshalb in die USA. Neben der Klimapolitik und Internetsicherheit ist allen voran die Währungsfrage das große Reizthema. Nicht wenige Politiker in den USA geben den Chinesen eine Mitschuld an der hohen Arbeitslosigkeit von über neun Prozent.

Der Grund: Die Chinesen halten ihre Währung im Vergleich zum Dollar künstlich niedrig, um ihre Exporte zu verbilligen. Dies hat zur Folge, dass günstige chinesische Importe den US-Markt überschwemmen, während der höhere Dollar-Kurs die Exporte für US-Firmen verteuert.

Hu deutete im Vorfeld des Treffens keinerlei Bereitschaft an, sich im Währungsstreit zu bewegen. Er wies die jüngste Äußerung von US-Finanzminister Timothy Geithner zurück, nach der ein stärkerer Yuan im Interesse Chinas sei, weil dadurch der Preisauftrieb eingedämmt werden könne. Zuletzt war die Teuerungsrate in China auf über fünf Prozent gestiegen, die boomende chinesische Wirtschaft droht zu überhitzen. Der Staats- und Parteichef erklärte jedoch, dass "Inflation kaum der Hauptgrund für die Bestimmung der Wechselkurspolitik sein kann".

Doch auch wenn beide Länder sich beäugen und schlecht übereinander reden: Sie wissen genau, wie groß die gegenseitige Abhängigkeit ist. "Chinesen und Amerikaner sind eine Schicksalsgemeinschaft", sagt Rolf Langhammer, Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Die USA brauchen China als Finanzier. China ist auf einen starken Dollar angewiesen, da sonst seine Devisenreserven an Wert verlieren würden. "Dabei braucht China die Reserven, um seine hochdefizitären Staatsunternehmen notfalls zu sanieren", sagt Langhammer. Außerdem seien die USA ein wichtiger Handelspartner.

Und so versuchte China im Vorfeld des Gipfels, einigen Probleme die Spitze zu nehmen. Die Zentralbank setzte den Wechselkurs der Landeswährung um mehr als drei Prozent gegenüber dem Dollar herauf. Außerdem versicherte das Handelsministerium, China werde den Streit mit den USA um seine Seltenen Erden beenden und den Export nicht länger drosseln.

Dennoch müssen sich die USA darauf einstellen, dass es auch am Ende des Gipfeltreffens in Washington bei den Reizthemen mit China bleibt. Ausrichten kann Präsident Barack Obama dagegen nichts. Nach Angaben des US-Magazins "Forbes" hat Hu den US-Präsidenten bereits als mächtigsten Mann der Welt abgelöst.