Eskalation im Gazastreifen

Israel greift Hamas an Hunderte Tote

Der Krieg hat begonnen. Mit einer Serie von Luftangriffen hat Israel Sicherheitseinrichtungen der radikal-islamischen Organisation im Gazastreifen überzogen. Panik in der Bevölkerung.

Gaza. Israel hat heute mit einer Serie von Luftangriffen Sicherheitseinrichtungen, Polizeistationen und Waffenlager der radikal-islamischen Organisation Hamas im Gazastreifen angegriffen. Ein Armeesprecher bezeichnete dies als eine Reaktion auf die fortwährenden Raketenangriffe militanter Palästinenser auf die israelische Zivilbevölkerung. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die israelischen Luftangriffe dagegen scharf.

Bei den Luftangriffen im Gazastreifen sind heute nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde mindestens 155 Menschen getötet und weitere 250 verletzt worden. Das sei die höchste Opferzahl an einem Tag seit dem Sechstagekrieg von 1967, hieß es. Unter den Toten ist auch der Polizeichef der radikal-islamischen Hamas, Taufik Dschaber.

Augenzeugen berichteten, die Explosionsserien in den meist im Wohngebieten gelegenen Einrichtungen hätten in Gaza Panik in der Bevölkerung ausgelöst. In einer der Sicherheitseinrichtungen lagen nach einem der Angriffe mehr als ein Dutzend uniformierter Männer tot auf dem Boden. Es gab zunächst kein Anzeichen für eine zusätzliche israelische Bodenoffensive. Der Angriff kam für die Bewohner völlig überraschend, weil nach israelischen Medienberichten das Sicherheitskabinett erst am Sonntag über einen Militärschlag entscheiden wollte.

"Die Kinder schreien. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Sollen wir zu Hause bleiben oder auf die Straße gehen. Wo ist es sicher? Um uns herum ist überall Rauch. Wir haben keinen Strom, wir wissen nicht, was wir tun sollen", sagte eine verzweifelte Mutter von fünf Kindern.

Israel hatte den militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen mit einem Militärschlag gedroht, falls sie den Raketenbeschuss von israelischen Grenzgemeinden nicht einstellen sollten. Heute Morgen war wieder eine selbst gebaute Rakete im Kibbuz Schaar Hanegev eingeschlagen und hatte ein Verwaltungsgebäude beschädigt. Seit Auslaufen einer Waffenruhe am 19. Dezember haben militante Palästinenser nach Armeeangaben mehr als 180 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Grenzgemeinden abgefeuert. Dort leben 125 000 Israelis mit der ständigen Gefahr, bei einem Angriff getötet zu werden. Die Vorwarnzeit bei einem Angriff liegt in einigen Städten und Kibbuzen bei lediglich 15 Sekunden.