Olmert appelliert an Bevölkerung im Gazastreifen

Israel bereitet Militäroffensive gegen Hamas vor

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Israel bereitet angesichts der fortgesetzten Raketenangriffe von Palästinensern eine großangelegte Militäraktion gegen die im Gazastreifen regierende Hamas vor.

Die Entscheidung für eine Offensive sei im Kabinett bereits gefallen, verlautete am Donnerstag aus Verteidigungskreisen. Nur die winterlichen Verhältnisse stünden derzeit noch einem Einsatz entgegen. Dem Vernehmen nach sind verstärkte Luftangriffe vorgesehen, denen eine Invasion im Gazastreifen folgen soll.

Ministerpräsident Ehud Olmert appellierte unterdessen direkt an die Bevölkerung im Gazastreifen, sich gegen die Hamas zu stellen. Die Hamas sei für das Leid dort verantwortlich, sagte Olmert am Donnerstag in einem Interview des arabischen Fernsehsenders Al Arabija. Israel werde nicht zögern, militärisch vorzugehen, wenn die Angriffe fortgesetzt würden. Es sei jetzt vielleicht die letzte Minute zur Umkehr. "Wir sind stärker", fügte Olmert hinzu. Auch Verteidigungsminister Ehud Barak warnte am Donnerstag, die Extremisten im Gazastreifen würden einen hohen Preis bezahlen, sollten die Angriffe auf israelisches Gebiet andauern. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak forderte derweil Israel bei einem Besuch von Außenministerin Zipi Livni in Kairo zu Zurückhaltung auf. Zugleich machte er deutlich, dass er von der Hamas eine sofortige Einstellung des Raketenbeschusses erwarte. Dies verlautete aus israelischen Regierungskreisen. Auch Livnis ägyptischer Kollege Ahmed Abul Gheit äußerte sich entsprechend.

Livni sieht Geduld mit der Hamas am Ende

Ägypten bemüht sich um eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Am Freitag vergangener Woche hatte die Hamas die zuletzt ohnehin kaum noch eingehaltene, sechsmonatige Waffenruhe offiziell beendet. Allein am Mittwoch waren im Süden Israels mehr als 80 Raketen und Granaten eingeschlagen, die von militanten Palästinensern im Gazastreifen abgefeuert worden waren. Auch am Donnerstag wurden mindestens drei Raketenangriffe gemeldet. Eine Waffenruhe lehnte Livni angesichts dessen ab.

Israel müsse und werde reagieren, um seine Bürger zu schützen, sagte sie. Auch die Parlamentswahl am 10. Februar werde die Regierung nicht davon abhalten. Israel verliere die Geduld mit der Hamas, sagte die Ministerin auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Abul Gheit. Die militante Organisation sei ein Hindernis auf dem Weg zu einem palästinensischen Staat.

Mubarak besorgt über humanitäre Lage in Gaza

Abul Gheit sagte, Ägypten hoffe auf eine Zurückhaltung beider Seiten. Andernfalls könne sich Kairo nicht vorstellen, die beiden Parteien von einer Rückkehr zu einem Waffenstillstand zu überzeugen. Das Ziel Ägypten sei, die Waffenruhe beizubehalten und zu sichern. Letztlich gehe es darum, der innerpalästinensischen Versöhnung zwischen Hamas und Fatah und palästinensisch-israelischen Verhandlungen eine Chance zu geben.

Mubarak äußerte sich am Donnerstag auch besorgt über die humanitäre Lage im Gazastreifen. Nach der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen vor 18 Monaten riegelten Israel und Ägypten das Gebiet von der Außenwelt ab. Nach einer Eskalation der Kämpfe Anfang November intensivierte Israel die Blockade noch. Mubarak rief Israel auf, die Palästinenser im Gazastreifen nicht kollektiv zu bestrafen.

( ap )

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