Wie ein Staatsgast, doch ohne große Geste

Barack Obama in Berlin

Tagsüber empfängt ihn Deutschlands Hauptstadt, als sei er schon Präsident. Abends beim großen Auftritt im Tiergarten hört sie genau hin.

Berlin. Barack Obama hielt Berlin zwar einen Tag lang in Atem, im Sturm eroberte er sie am Abend aber nicht. Trotz allen Jubels für die Erinnerung an Luftbrücke und Insellage inmitten der DDR, trotz des Bekenntnisses zu Klimaschutz und Atomwaffenabbau die erwartete Party für einen Popstar blieb aus. Die Berliner wollten genau wissen, was sie von einem Präsidenten Obama zu erwarten hätten, und verabschiedeten den Senator aus Illinois mit freundlichem, aber nicht frenetischem Beifall.

"Sein Charisma kam rüber", sagte Bertram Illert aus Würzburg. "Am Anfang war es ganz gut, aber dann wurde es ein flacher Rundumschlag", fügte der 43-Jährige hinzu. Die 29 Jahre alte Berlinerin Simone Ascher gab zu bedenken, Obama habe kaum konkrete Pläne für sein mögliche Präsidentschaft genannt. Dass er mehr Engagement in Afghanistan verlangte, gefiel ihr nicht.

Manch einem fehlte auch jener eine deutsche Satz, etwas wie Kennedys "Ich bin ein Berliner", der für die ganze Rede steht. Trotzdem stand für einen Obama-Fan mit einem Transparent fest: "Obama for Kanzler".

Am Tag war Obama eingezogen, als sei er schon in Amt und Würden. Die Wagenkolonne, mit der sich der Senator am Donnerstag den Weg durch die Straßen von Berlin bahnte, wäre auch eines Staatsgastes würdig gewesen: Motorräder, schwarze Limousinen, weiße Geländewagen, darüber ein Hubschrauber. Hunderte Schaulustige warteten den ganzen Tag über vor dem Hotel "Adlon", wo er abgestiegen war. Und zu seiner Sicherheit waren bis zu 1000 Polizisten im Einsatz. So viel Beachtung bekommen in Berlin die meisten amtierenden Staatsoberhäupter nicht.

Obama schien der Rummel keinesfalls zu stören: Gönnerhaft winkte der 46-Jährige gemeinsam mit Angela Merkel vom Balkon des Kanzleramtes bei bestem Sommerwetter hinunter zu seinen Fans am Zaun. "Wo ist er?" "Wann kommt er denn?" Viel mehr interessierte nicht rund um das Brandenburger Tor. "Yes, we can", stimmten Schaulustige den Wahlspruch des Wahlkämpers an, wann immer dieser das Hotel verließ - ob im dunklen Anzug zum offiziellen Gespräch oder in T-Shirt und Turnschuhen zum spontanen Training im Fitnessraum eines Hotels am Potsdamer Platz.

Besonders Touristen waren auf den "Obama-Day" eingestellt: "Er ist für mich wie ein Popstar", sagte Andre Meyer aus Buxtehude. Der 18-Jährige hatte sich extra am frühen Morgen mit seinem Vater aus der Nähe von Hamburg nach Berlin aufgemacht, um Obama zu sehen. "Wenn er nur die Hälfte von dem hält, was er verspricht, dann wird es eine bessere Zukunft werden", meinte der 43-jährige Vater Frank Meyer. Und die 16-jährige Lisa Werner aus Laufersweiler im Hunsrück war sicher: "Er ist wahrscheinlich der nächste Präsident."

Das Rätselraten um Obamas Besuchsprogramm wird auch an diesem Freitag weitergehen. Denn anders als zunächst geplant will er erst am Mittag Berlin verlassen. Hin und her war es schon während der zwei Wochen immer wieder gegangen, seit die Berlin-Pläne bekanntgeworden waren. Reichlich improvisiert und spontan wirkte zeitweise die Arbeit des Obama-Stabs - der dennoch genau zu wissen schien, was er nicht wollte, zum Beispiel ins Rote Rathaus. Also trug Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) selbst das Gästebuch der Stadt ins "Adlon".

Der Besuch des US-Präsidentschafts- bewerbers Barack Obama in Berlin wurde von einem riesigen Sicherheitsaufwand und Medienspektakel begleitet. Etwa hunderttausend Menschen haben die mit Spannung erwartete Rede Obamas verfolgt. Jubel begrüßte den 46 Jahre alte Demokraten, der winkend die Tribüne auf der Fanmeile an der Siegessäule in der Mitte Berlins betrat.