Deutschlandbesuch

Obama von Steinmeier empfangen

Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich der amerikanische Präsidentschaftsbewerber in Berlin auch mit Vizekanzler und Außenminister Frank Walter Steinmeier getroffen.

Der SPD-Politiker empfing den designierten Kandidaten der US-Demokraten im Innenhof des Auswärtigen Amtes, der von Dutzenden von Mitarbeitern sowie von etwa 70 Journalisten gesäumt war. Nach einem kurzen Handshake, bei dem beide in die Menge winkten, zogen sich der Minister und sein Gast zu einer Unterredung in das Ministerium zurück. Details zu Inhalten des Gespräches gibt es bisher nicht.

Sie wollen jetzt mehr sehen? Hier geht’s zum Videoportal

Heute Vormittag hat sich Barack Obama erstmals mit Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen. Im Mittelpunkt des rund einstündigen Gesprächs standen außenpolitische Themen.

"Es war ein sehr offenes und in die Tiefe gehendes Gespräch in sehr guter Atmosphäre", berichtete Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Beide hätten dabei die große Bedeutung von engen und freundschaftlichen deutsch-amerikanischen Beziehungen hervorgehoben.

Es ging um eine breite Themenpalette: Im Mittelpunkt stand die intensive Erörterung außenpolitischer Themen von Iran, Afghanistan, Pakistan, dem Nahost-Friedensprozess bis hin zum NATO-Gipfel 2009. Weitere Themen waren die Fortführung der transatlantischen Wirtschaftspartnerschaft, Klima- und Energiefragen, die Situation der Weltwirtschaft und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit auf internationaler Ebene und in internationalen Organisationen zur Lösung wichtiger globaler Fragen.

Bevor Obama am Abend an der Siegessäule seine von hohen Erwartungen begleitete Rede hält, steht vorher noch ein Treffen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit auf dem Plan.

Die Rede am Abend, zu der mehr als 100.000 Zuhörer erwartet werden, ist die einzige, die Obama während einer einwöchigen Tour durch den Mittleren und Nahen Osten sowie durch europäische Hauptstädte hält. Experten rechnen mit einer historischen Rede, die einen Neubeginn im deutsch-amerikanischen Verhältnis und eine kooperative Außenpolitik mit Europa in Aussicht stellt.

Unterdessen bleibt die Polizei weiterhin in Alarmbereitschaft um mögliche Anschläge abzuwehren.

Am Mittag musste die Polzei nach dem Auftauchen eines verdächtigen Paketes das Luxushotel Adlon, in dem Obama wohnt, vorübergehend teilweise sperren, bis sich das Päckchen als harmlose Büchersendung erwies.

Auch gestern wurde die Polizei auf die Probe gestellt: Ein Mann hatte am vorgesehenen Kundgebungsort an der Siegessäule mit seinem Auto die Absperrung durchbrochen und rote Farbe vergossen.

Dem Obama-Seeing Tourismus hat das aber nicht geschadet, im Gegenteil. Vor dem Kanzleramt wurde der Kandidat der US-Demokraten für die Wahl im November von Hunderten Schaulustigen erwartet.

Zeitweise sah es so aus, als sei Obama bereits der Präsident. Die Wagenkolonne jedenfalls, mit der sich Barack Obama den Weg durch die Straßen von Berlin bahnte, war eines Staatsgastes schon überaus würdig: Motorräder, schwarze Limousinen, weiße Geländewagen, darüber ein Hubschrauber.

Zu seiner Sicherheit waren bis zu 1000 Polizisten im Einsatz. So viel Beachtung und so viele Beamte bekommen in Berlin die meisten amtierenden Staatsoberhäupter nicht.

Obama schien der Rummel keinesfalls zu stören: Gönnerhaft winkte der 46-Jährige mit Angela Merkel vom Balkon des Kanzleramtes bei bestem Sommerwetter seinen Fans zu. Viel mehr war von Kanzlerin und Kandidat beim ersten Kennenlern-Termin dann nicht mehr zu sehen. Aber dennoch: Der Auftakt der Wahlkampfstation in Deutschland war gelungen.

"Wo ist er?", "Wann kommt er denn?". Viel mehr interessierte nicht zwischen Brandenburger Tor und Hotel "Adlon", dem Quartier Obamas für eine Nacht. "Yes, we can", stimmten Schaulustige den Wahlkampf-Spruch des Spitzenkandidaten an, als der am Hintereingang des Luxushotels seinem schweren Wagen entstieg. Obama lächelte, winkte den Leuten zu und verschwand. Zu gleicher Stunde versammelten sich die ersten Besucher auf der Straße des 17. Juni, wo am Abend Obamas Rede ansteht.

Besonders Touristen waren auf den "Obama-Day" eingestellt: "Er ist für mich wie ein Popstar", sagte Andre Meyer aus Buxtehude. Der 18- Jährige hatte sich extra am frühen Morgen mit seinem Vater aus der Nähe von Hamburg nach Berlin aufgemacht, um Obama zu sehen.