Staatsgeheimnis: Was kostet der Krieg?

Washington. Die Kosten des Irak-Krieges sind eines der bestgehüteten Geheimnisse in Washington. Mit Ausnahme von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der Mitte Januar erklärt hatte, "auf jeden Fall weniger als 50 Milliarden Dollar", hüllen sich Präsident George W. Bush und sein Kabinett in Schweigen, wenn es um eine Zahl geht. Je nachdem, wen man fragt, angefangen von Militärs über Politiker bis hin zu Wirtschaftsexperten, reicht die Skala der Kosten des Golfkonflikts von zehn Milliarden bis zu fünf Billionen Dollar. Dass die Schätzungen so weit auseinander gehen, liegt in der Tatsache begründet, dass von sehr unterschiedlichen Szenarien ausgegangen wird. Während die einen nur die direkten Kriegskosten sehen, kalkulieren andere den Wiederaufbau und die Auswirkungen auf die globale Wirtschaft mit ein. Anfang des Monats bekamen führende Mitglieder der Demokratischen Partei im US-Senat aus dem Pentagon eine "inoffizielle, sehr vage Schätzung" einer anonymen Quelle, die die Kosten auf "60 bis 95 Milliarden Dollar" bezifferte. Bei einer Anhörung im Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhauses musste sich Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz vom Demokraten James Moran vorwerfen lassen: "Sie wollen uns ganz bewusst im Unklaren lassen." Rumsfelds Vize wies diese Beschuldigung scharf zurück und erklärte: "Wir haben nicht die geringste Ahnung, was der Krieg kosten wird. Je nach Szenario können es von 10 bis 100 Milliarden Dollar sein." Die US-Demokraten haben eine eigene Rechnung aufgestellt und dabei die Ausgaben des ersten Golfkrieges 1991 als Grundlage genommen. Damals kosteten 43 Kriegstage mit insgesamt 540 000 Mann 61 Milliarden Dollar. Das entspricht nach dem heutigen Stand 80 Milliarden Dollar. Ein Irak-Krieg mit 250 000 Soldaten würde ihrer Meinung nach somit 50 bis 60 Milliarden Dollar kosten. Nicht mit eingerechnet sind dabei Wiederaufbaukosten und die Stationierung von Friedenstruppen, die nach Ansicht von Fachleuten unter Umständen zehn Jahre im Land bleiben müssen, um Stabilität und Demokratie zu garantieren. Experten sind sich einig, dass die Kosten des augenblicklichen Feldzuges nur einen Bruchteil der wahren Belastung ausmachen. So rechnet der renommierte Yale-Ökonom William Nordhaus bei einem langen Krieg mit Kosten von 1,9 Billionen Dollar. Er schlüsselt diesen Betrag wie folgt auf: 140 Milliarden Dollar Militärkosten, 500 Milliarden Dollar für Friedenseinsätze, 105 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau, 10 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfen, 778 Milliarden Dollar Verluste an den Ölmärkten und 391 Milliarden Dollar für den Schock an Börsen und in Unternehmen. Seine australischen Kollegen Warwick McKibbin und Andrew Stoeckel haben errechnet, dass ein langer Krieg mit fünfjähriger Besatzung insgesamt fünf Billionen Dollar kosten wird, Schaden für die Weltwirtschaft eingeschlossen. Politanalytiker glauben, dass die US-Regierung die Kriegskosten bewusst herunterspielt, um nicht noch mehr Bürger gegen sich zu haben. Bush & Co. sprechen auch nie davon, dass 1991 die Alliierten fast alle Kosten trugen, während die USA diesmal selbst bezahlen müssen. Der Parlamentarier James Moran ist sichtlich verärgert: "Ich sehe schon, wie diese Administration nach dem Krieg zum Capitol Hill kommt und einen Notetat von über 100 Milliarden Dollar einbringt, und wir nur zustimmen können. Bush und sein Kabinett behandeln den Kongress wie Cheerleader an der Seitenlinie."