Erdbeben

Visa für Erdbebenopfer: Linke kritisiert Hürden als zu hoch

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Deutsche Bestattungsexperten identifizieren Tote im türkischen Erdbebengebiet

Deutsche Bestattungsexperten identifizieren Tote im türkischen Erdbebengebiet

Nach dem verheerenden Erdbeben helfen Bestattungsexperten aus Deutschland ehrenamtlich dabei, Verstorbene zu identifizieren und Leichname zu desinfizieren. Es ist eine belastende Aufgabe angesichts der vielen Toten.

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Die Bundesregierung will Erdbebenopfern die Einreise erleichtern. Doch die Anforderungen sind noch immer zu hoch, kritisiert die Linke.

Berlin.  Die Vorsitzende der Links-Partei, Janine Wissler, hat die geplanten Einreiseerleichterungen für Menschen aus den Erdbebengebieten in der Türkei als „leeres Versprechen“ kritisiert. „Die Aufnahme ist an so viele Bedingungen geknüpft, dass sie für Menschen, deren Haus eingestürzt ist, kaum erfüllbar sind“, sagte Wissler unserer Redaktion. So werde ein ‚Wohnsitznachweis mit Historie‘ verlangt und viele weitere Dokumente. „Wer hat denn seine Krankenversicherungskarte, seinen Mietvertrag oder das Stammbuch in der Tasche, wenn er nachts in Panik aus dem Haus stürmt oder verschüttet aus Trümmern gerettet wird?“, fragte die Linkenpolitikerin. Lesen Sie dazu: Erdbeben: Faeser verspricht schnell Visa für bestimmte Opfer

Wissler war selbst in Diyarbakır in der Türkei, als der Osten des Landes und Teile Syriens vor gut einer Woche von heftigen Erdbeben erschüttert wurden. „Ich habe in der Nacht des Erdbebens in Diyarbakır Menschen in Hausschuhen und Schlafanzug gesehen“, erzählt sie. Viele Ämter und Behörden im Erdbebengebiet seien nicht arbeitsfähig und gar nicht zu erreichen.

Wissler kritisiert die Anforderungen der Bundesregierung als unrealistisch

Die Anforderungen, die die Bundesregierung auch für eine erleichterte Einreise der Opfer nach Deutschland stellt, hält sie vor diesem Hintergrund für unrealistisch. „Wie stellen die Bürokraten im Auswärtigen Amt sich das vor? Dass die Rettungsteams im Schutt nach Reisepässen graben?“

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Wolle die Bundesregierung den Menschen aus dem betroffenen Gebiet wirklich Zuflucht bieten, so müssten die Anforderungen jetzt auf ein Minimum reduziert werden, erklärte Wissler. „Bei allen Dokumenten, für die nicht ohne weiteres Ersatz beschafft werden kann, muss zunächst eine eidesstattliche Versicherung genügen“, forderte die Co-Parteichefin der Linkspartei.

Grundsätzlich seien die Einreiseanforderungen an Menschen in Not zu überprüfen. „Wer fliehen muss, wer in Not ist, hat einfach nicht die gleichen Möglichkeiten, sich Papiere zu besorgen, wie reguläre Urlauber oder Geschäftsreisende“, sagte Wissler.

Die Bundesregierung hatte angekündigt, Visaverfahren zu erleichtern, damit Menschen aus den von den Erdbeben getroffenen Gebieten vorübergehend bei Verwandten in Deutschland unterkommen können. Das könnte Sie auch interessieren: Flüchtlingskrise: Schaffen wir das wieder?

( tma )

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