Populismus

Höcke an Aschermittwoch: Über Entmachtung und Geschichte

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag.

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Björn Höcke spricht am Aschermittwoch über negative Geschichtsbewältigung und Entmachtung der Durchgeknallten. Und: Über den Islam.

Arnstadt. „Lustig ist das Zigeunerleben“ spielt die Kapelle auf der Bühne. Aber lustig wirkt der Politische Aschermittwoch der Thüringer AfD nicht, noch weniger als ihr Landeschef Stefan Möller ankündigt: „Bei uns darf man Witze über Minderheiten machen!“

Der Mittwochabend dient eher als Machtdemonstration der Parteiorganisation „Der Flügel“, die Möllers Co-Chef Björn Höcke hier, im Brauhaus zu Arnstadt, im März 2015 ausrief, um die AfD zu einer „Widerstandsbewegung“ umzuformen.

Aschermittwoch: Mitglied mit Kontakt zur „Identitäten Bewegung“ spricht

Mit dabei im Saal war damals André Poggenburg, der die Partei in Sachsen-Anhalt führte und gemeinsam mit Höcke die AfD immer weiter nach rechts zwang. Vor einem Jahr traten beide beim Aschermittwoch in Sachsen auf, wo Poggenburg die Türken in Deutschland unter lauten Jubel als „Kameltreiber“ bezeichnete.

Inzwischen hat Poggenburg die Partei verlassen, um eine eigene, extremere Konkurrenzvereinigung zu gründen. Und der Verfassungsschutz hat den Flügel als sogenannten „Verdachtsfall“ eingestuft. Während die Bundesspitze der Partei alarmiert wirkt, bezeichnete Höcke zuletzt die Sorge vor einer Beobachtung als „politische Bettnässerei“.

Diesem Duktus folgend lautet das Motto des Abends „AfD – Verdächtig gut!“ So bezeichnet der Berliner Abgeordnete Thorsten Weiß, der Kontakt zur „Identitären Bewegung“ pflegt, die Grüne Claudia Roth „als eine Menge Fleisch“.

Der Politische Aschermermittwoch: Die mögliche Kanzlerkandidatin Kramp-Karrenbauer: Kein Wort des Bedauerns, aber viel Wut. SPD-Politikerin Katarina Barley greift die CSU scharf an. Und beim CSU-Aschermittwoch: Friedenssignal und Kampflaune aus Passau.

Höcke spricht spät – auch über „einseitige negative Geschichtsbewältigung“

Am Ende, es ist nach 21 Uhr, redet schließlich Höcke. „Von mir gibt es heute nur 100 Prozent politisch Korrektes, wie das in der real existierende Fassadendemokratie sein muss“, ruft er. Es folgen Angriffe auf die Medien und ihr „Totalversagen“ und auf den jüdischen Investor Georg Soros und die „einseitige negative Geschichtsbewältigung“.

Der Politiker ist umstritten, hat aber auch viele Anhänger. Alexander Gauland über ihn: „Höcke hat eine übersteigerte Liebe zu diesem Land.“

Der Islam gehöre in die Türkei, sagt Höcke. „Der Islam hat keinen Platz in Deutschland. Wir werden alles dafür tun, dass es in Deutschland keinen muslimischen Bundeskanzler gibt!“ Der AfD-Fraktionschef in Thüringen ruft: „Entmachten wir die Durchgeknallten in der Bundesregierung! Lassen wir die politische Sonne im Osten aufgehen und über ganz Deutschland strahlen.“

Wie das weiterhin funktioniert, steht zur Debatte. Die AfD muss sich mit der Frage beschäftigen: Wer kommt, wenn AfD-Chef Alexander Gauland geht?