Thilo Sarrazin rechnet ab

Thilo Sarrazin: "Ich hätte eine Staatskrise herbeiführen können"

Thilo Sarrazin rechnet mit seinen Kritikern ab und vergleicht das Handeln von Kanzlerin Angela Merkel mit dem der "Heiligen Inquisition".

Berlin. Mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" sorgte Thilo Sarrazin wochenlang für hitzige Debatten. Seine in dem Buch veröffentlichten provokativen Thesen zur Integration von Ausländern wurden hart attackiert. Nun zum Jahresende rechnet der aus dem Vorstand der Bundesbank ausgeschiedene Thilo Sarrazin mit seinen Kritikern ab. Für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb Sarrazin in einem Beitrag von "Hass aus der politischen Klasse und einem Teil der Medien“ ihm gegenüber. Sein Buch sei in der Politik und vielen Medien "feindlich“ aufgenommen worden. Eine "beispiellose Medienkampagne" konstantierte Sarrazin. Diese hätte "verleumderische Züge". Thilo Sarrazin schreibt weiter, dass er selbst fast nur Zustimmung für sein Buch erfahre: "99 Prozent aller für mich wahrnehmbaren Reaktionen sind positiv.“

Ganz oben auf seiner Liste der Abrechnung steht unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sarrazin sieht in dem Vorgehen der Kanzlerin Parallelen zum Handeln der "Heiligen Inquisition": "Die Bundeskanzlerin eröffnete den Reigen und setzte mein Buch auf den Index, so wie es früher die Heilige Inquisition tat, indem sie erklärte, das Buch sei "nicht hilfreich“ und sie werde es auch nicht lesen“, schrieb Sarrazin. Weiter verglich Sarrazin: "An die Stelle des Scheiterhaufens trat nach ihrer Planung die Verbannung aus der Bundesbank, dazu forderte sie Präsident (Axel) Weber öffentlich auf. Der frisch gewählte Bundespräsident (Christian Wulff) stolperte eilfertig hinterher und bot seine Hilfe bei meiner Entlassung an, ohne vorher den Rechtsrat seiner Beamten einzuholen.“ "Mit ein bisschen Michael Kohlhaas im Blut hätte ich eine Staatskrise herbeiführen können", so Sarrazin weiter.

Doch Sarrazin sei nur kurze Zeit zornig über die Kritiker in Politik und Medien gewesen, die ihn verurteilten, ohne das mittlerweile 1,2 Millionen mal verkaufte Buch "Deutschland schafft sich ab“ überhaupt gelesen zu haben. Der frühere SPD- Politiker und Berliner Finanzsenator, gegen den mittlerweile ein Parteiausschluss-Verfahren läuft, sagte: "Stattdessen machte sich Verachtung in mir breit. Diese Verachtung sitzt mittlerweile tief.“

+++ Was Thilo Sarrazin geschrieben und gesagt hat +++

Unterdessen wurden das umstrittene Buch des Thilo Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" zusammen mit dem Roman "Hummeldumm" von Tommy Jaud in Deutschland zu den Bestsellern des Jahres. Zu den erfolgreichsten Autoren zählen außerdem Jussi Adler-Olsen und Stephenie Meyer. Dies geht aus der Jahresbestseller-Liste des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hervor.

"Hummeldumm", die Schilderung der Erlebnisse einer Reisegruppe in Namibia, führt in der Belletristik die Rangliste an. Gleich zweimal unter die Top 10 schaffte es der dänische Krimiautor Adler-Olsen: Sein Buch "Erbarmen" liegt auf Platz zwei, "Schändung" auf Platz fünf. Dritter der Jahresrangliste ist Ken Folletts "Sturz der Titanen". Großer Beliebtheit erfreut sich auch Stephenie Meyer mit ihren Vampirbüchern. Der neue Roman "Freiheit" des US-Autors Jonathan Franzen liegt auf Platz 14, einen Rang vor Ferdinand von Schirachs zweitem Buch "Schuld".

In der Sparte Sachbuch ist der millionenfach verkaufte Bestseller "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin erwartungsgemäß die Nummer eins. Dahinter rangiert "Das Ende der Geduld" der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich in diesem Jahr das Leben genommen hat. (abendblatt.de/dpa)