Die Kanzlerin in den USA

Angela Merkel dankt den USA für Rolle bei der Wiedervereinigung

Bundeskanzlerin Angela Merkel erinnert in ihrer Rede vor beiden Häusern des Kongresses an die Berliner Luftbrücke.

Washington. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bei den USA für deren Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung bedankt. In einer Rede vor beiden Häusern des Kongresses erinnerte die Unionspolitikerin an die Berliner Luftbrücke und würdigte den Einsatz der Amerikaner, dem Deutschland immer ein ehrendes Andenken bewahren werde. Merkel erinnerte zudem an die Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan, die sich für Deutschland einsetzten. Sie dankte auch US-Präsident George Bush sen., der Deutschland Partnerschaft und Führung anbot.

Die Kanzlerin erinnerte an ihre Jugend in der DDR hinter Mauern. Sie habe sich nie vorstellen können, in die USA zu reisen oder gar vor dem amerikanischen Kongress zu stehen. Sie habe sich damals für Jeans „einer bestimmten Marke“ und für die Weite der amerikanischen Landschaft begeistert. Merkel erinnerte an Konrad Adenauer, der vor mehr als 50 Jahren im US-Kongress gesprochen hatte. „In wenigen Tagen schreiben wir den 9. November“, an dem die Berliner Mauer fiel, erklärte die Kanzlerin unter dem lauten Beifall der Abgeordneten. Es sei aber auch der Jahrestag der Pogromnacht, sagte Merkel, die nach den kurzen englischen Dankesworten am Anfang ins Deutsche wechselte.

Zu Afghanistan erklärte die Kanzlerin, der Einsatz der Staatengemeinschaft sei hart. Erfolgreich werde die Gemeinschaft dabei aber sein, wenn sie jeden weiteren Schritt gemeinsam gehe. Deutschland stelle sich dieser Verantwortung. Zur Finanzkrise sagte Merkel, diese habe gezeigt, dass eine globalisierte Wirtschaft einen globalen Handlungsrahmen brauche. Auch hier sei die Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA wichtig. Die internationale Wirtschaftspolitik müsse nachhaltiger werden, die Krise sei Ausdruck eines zu kurzfristigen Denkens gewesen.

An die Adresse des Irans gewandt, warnte Merkel, Teheran kenne die Grenzen der Geduld der internationalen Gemeinschaft. Einen Iran, der Israel bedrohe, dürfe es nicht geben. Die Sicherheit Israels sei für sie niemals verhandelbar. „Wer Israel bedroht, bedroht auch uns.“

Den Klimawandel bezeichnete die Kanzlerin als eine weitere Bewährungsprobe des 21. Jahrhunderts. Worin die Gefahr bestehe, sei schon jetzt zu sehen, am Anstieg der Meere, am Schmelzen der Gletscher. „Wir haben keine Zeit zu verlieren, wir brauchen eine Einigung bei der Klimakonferenz in Kopenhagen.“ Die Welt brauche die Bereitschaft aller Staaten, sich auf ein Ziel zu verständigen, sagte die Kanzlerin. Dabei dürften die Erkenntnisse der Wissenschaft nicht ignoriert werden.

Die Kanzlerin war vor ihrer Rede mit lautem Applaus im US-Kongress begrüßt worden. Sie dankte dem Kongress in Englisch mit den Worten, das sei sehr ergreifend. Es sei eine große Ehre kurz vor dem Jahrestag des Falls der Mauer sprechen zu dürfen. Am Ende dankten die Zuhörer mit lautem Applaus Merkel für ihre halbstündige Rede.

Vor ihrer Rede hatte Merkel sich mit US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus getroffen. Obama würdigte den Einsatz und die Opfer Deutschlands für den Frieden und die Stabilität in Afghanistan. Deutschland sei ein „außerordentlich starker Verbündeter bei vielen internationalen Fragen“ und ein „außerordentlich starker Stützpfeiler der transatlantischen Beziehungen“, sagte Obama. Deutschland habe viel dazu beigetragen, dass die Afghanen selbst mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen könnten. Die Kanzlerin habe sich als eine „außergewöhnliche Führungspersönlichkeit“ vor allem im Kampf für mehr Klimaschutz erwiesen. „Überall in der Welt beginnt man anzuerkennen, wie wichtig es ist, angesichts der möglichen Katastrophe zusammenzuarbeiten, die droht, wenn die globale Klimaerwärmung nicht bekämpft wird“, sagte der US-Präsident.