Koalition einig über Ministerposten

Das Merkel-Kabinett: viele bekannte, wenige neue Gesichter

In der neuen Regierung sind 15 Ministerposten zu vergeben, fünf erhält die FDP, die CSU drei. Die Kurzporträts bei abendblatt.de.

Hamburg. Für die CDU bleiben neben Bundeskanzlerin Angela Merkel sieben Ministerposten. Neuer Finanzminister wird Innenminister Wolfgang Schäuble (67), der Senior des Kabinetts. Neuer Gesundheitsminister soll Philipp Rösler (36) werden, der Jüngste in der Mannschaft. Das Durchschnittsalter der Regierung liegt bei 51,4 Jahren. Die Große Koalition kam auf 54,8 Jahre.

Angela Merkel : Die 55-Jährige aus Brandenburg wird Mittwoch erneut in das höchste deutsche Regierungsamt gewählt. Die zweite Amtszeit ist ein erneuter Machtschub für die erste Kanzlerin. Ihre Stellung in Kabinett und Partei bleibt unangefochten. Nach der Wende war Merkel unter Ex-Kanzler Helmut Kohl Frauen- und Jugendministerin, später Umweltministerin geworden. Seit April 2000 ist Merkel CDU-Vorsitzende.

Guido Westerwelle: Der FDP-Vorsitzende ist am Ziel: Nach elf Jahren hat er die FDP aus der Opposition wieder in die Regierung geführt. Auch sein persönliches Ziel hat er erreicht: Der 47-Jährige aus Bonn wird Außenminister und Vize-Kanzler. Der Freidemokrat, der sich zu seiner Homosexualität bekennt, gilt als schlagfertiger Debatten-Redner. 1994 wurde Westerwelle FDP-Generalsekretär, 2001 Vorsitzender der Partei. An der Fraktionsspitze folgt ihm die baden-württembergische FDP-Vorsitzende Birgit Homburger nach.

Thomas de Maizière: Der bisherige Chef des Bundeskanzleramtes aus Sachsen gilt als einer der engsten Vertrauten von Angela Merkel. Sie setzt ihn jetzt auf eine andere Schlüsselposition, das Innenministerium. Als Kanzleramtsminister ist er bereits auch für die Koordination der Geheimdienste zuständig. Der CDU-Politiker wird als Fachmann geschätzt. Er war auch als Finanzminister im Gespräch. Der 55-jährige Jurist verfügt über große Verwaltungserfahrung, war bisher für die Koordinierung von Merkels Arbeit zuständig.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Die bayerische FDP-Landeschefin steht vor einem ungewöhnlichen Comeback. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (58) wird zum zweiten Mal Justizministerin. Seit der Wahl hatte es daran keinen Zweifel gegeben. Sie gilt als sehr durchsetzungsstark und segelt auf einer Erfolgswelle. In Bayern hat sie erstmals die FDP in die Regierung geführt und die CSU zu einer Koalition gezwungen.

Rainer Brüderle: Der liberale "Mister Mittelstand" übernimmt das Wirtschaftsministerium. Das ist ein Zeichen von Dank des FDP-Vorsitzenden Westerwelle an den loyalen Parteikollegen, der ein ausgesprochener Wirtschaftsfachmann ist und damit einen großen Wunsch erfüllt bekommt. Der 64-jährige Volkswirtschaftler steht bereits seit mehr als 25 Jahren an der Spitze der rheinland-pfälzischen Liberalen. Er war dort Minister für Wirtschaft und Verkehr. Ein Zeichen des Aufbruchs setzt die FDP damit allerdings nicht.

Ronald Pofalla: Das Kanzleramtsministerium, das der bisherige Generalsekretär der CDU nun übernehmen soll, ist eine Enttäuschung für ihn. Der 50-Jährige aus Nordrhein-Westfalen hatte sich große Hoffungen auf das Arbeitsministerium gemacht. Wenigstens sitzt er nun direkt im Zentrum der Macht.

Franz Josef Jung: Der bisherige Verteidigungsminister übernimmt das verkleinerte Ressort Arbeit. Damit hat wohl niemand gerechnet, denn Jung (60) hat sich schon als Verteidigungsminister nicht hervorgetan. Der hessische Winzer stand in der Kritik, auf heikle Situationen wie in Afghanistan nicht immer angemessen zu reagieren. In der Wirtschaftskrise erhält er nun sogar noch eines der Schlüsselressorts. Doch Jung ist ein enger Vertrauter von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Der behält damit seinen verlängerten Arm ins Kabinett.

Peter Ramsauer: Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag hat das eher unspektakuläre Ministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen erhalten. Damit wurde er auch für seine bisherige Arbeit belohnt. Seit 1990 gehört der 55-jährige Müllermeister, Diplom-Kaufmann und promovierte Staatswissenschaftler für den Wahlkreis Traunstein dem Bundestag an.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Der Freiherr aus Franken ist der Shootingstar der CSU. Kurzfristig übernahm er im Februar mit Erfolg das Wirtschaftsministerium. Schon kurz nach seinem Amtsantritt stieg der frühere CSU-Generalsekretär zu einem der beliebtesten Politiker Deutschlands auf. Jetzt wird der 37-Jährige das Verteidigungsministerium leiten, eine schwere Aufgabe, bei der er es schwerer haben wird zu glänzen. Für den Adeligen gehört das Verteidigungsministerium aber zur Familientradition. Mehrere Familienmitglieder starben im Widerstand gegen Hitler. Zum Jahrestag des Hitlerattentats hatte er in diesem Jahr eine anerkannte Rede gehalten.

Ursula von der Leyen: Die 51-jährige Ärztin und siebenfache Mutter aus Niedersachsen führt weiter das Familienministerium, erweitert um das Fachgebiet Soziales. Es ist kein Geheimnis, dass sie lieber das Gesundheitsministerium gehabt hätte. Doch dann hätte sie die von der FDP durchgesetzte Kopfpauschale vertreten müssen. Sie bleibt lieber bei ihren Leisten.

Annette Schavan: Die CDU-Vize aus dem Rheinland wird doch noch einmal als Bildungs- und Forschungsministerin am Kabinettstisch Platz nehmen. Das war lange nicht sicher. Doch die 53-Jährige gehört seit Langem zum engsten Merkel-Zirkel. Bevor die promovierte Philosophin und Theologin nach Berlin kam, war sie in Baden-Württemberg zehn Jahre lang Kultusministerin.

Ilse Aigner: Sie gilt als eine der Nachwuchshoffnungen der CSU - als Verbraucherschutzministerin hat sie bisher allerdings enttäuscht. Die 44 Jahre alte Bundestagsabgeordnete aus Bayern konnte sich kaum von dem Einfluss ihres Vorgängers und CSU-Chefs Horst Seehofer lösen. Das wird sich kaum ändern.

Norbert Röttgen: Der bisherige parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion aus Nordrhein-Westfalen wird sich mehr ausgerechnet haben als das Umweltministerium. Der 44-jährige Jurist war enger Berater der Kanzlerin in der Finanzkrise. Einst hatte er für Merkel das Angebot, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zu werden, abgelehnt. Dafür sollte er eigentlich mit einem Schlüsselressort "belohnt" werden. Aber Angela Merkel braucht auch im Unweltministerium einen Vertrauten.

Dirk Niebel: Der FDP-Generalsekretär (46) aus Baden-Württemberg wird Entwicklungsminister. Auch das ist eine Belohnung für gute Arbeit im Wahlkampf. Profiliert hatte sich Niebel bislang vor allem als arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Partei.