Guttenberg-Affäre

Guttenbergs Dokotorvater spricht von unvorstellbaren Mängeln

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Peter Häberle, Doktorvater von Verteidigungsminister Guttenberg, distanziert sich von seinem ehemaligen Schützling und fürchtet um den Ruf der Universität.

Berlin/München. "Der Vorwurf ist absurd, die Arbeit ist kein Plagiat", hatte Guttenbergs Doktorvater, Professor Peter Häberle, nach den ersten öffentlichen Plagiatsvorwürfen der "Bild"-Zeitung gesagt. Jetzt bezeichnet er seine Aussage als "spontan und letztlich zu vorschnell".

Mit sehr großem Bedauern habe er zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Umstände der von ihm betreuten Promotion geeignet seien, „den Ruf der Universität Bayreuth in der öffentlichen Diskussion in Misskredit zu bringen“, sagte Häberle der Zeitung „Die Welt“.

„Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel“, so der Professor. „Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war.“ Die Aberkennung des Doktortitels sei die notwendige Folge gewesen.

Die SPD im Bundestag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, ihrem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit sofortiger Wirkung die Zuständigkeit für die beiden Bundeswehr-Universitäten vorläufig zu entziehen. Dazu gehört auch die Hamburger Helmut-Schmidt-Universität in Wandsbek . „Angesichts der Vorwürfe des massiven Wissenschaftsbetrugs kann Minister Guttenberg diese Aufgabe nicht mehr mit der notwendigen Autorität wahrnehmen“, erklärte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Nach Oppermanns Einschätzung wäre es dem CSU-Politiker „unmöglich, von den Doktoranden an den Bundeswehrhochschulen zum Beispiel die Einhaltung der Vorschriften über die Anfertigung von Doktorarbeiten zu verlangen und dies auch durchzusetzen, wenn es notwendig ist“. Insbesondere dürfe Guttenberg nicht länger über die Berufung der Professoren entscheiden, meinte Oppermann.

Oppermann zog das Fazit: „Bis zum Abschluss der laufenden Untersuchungen und zur unausweichlichen Entlassung des Ministers sollte Ministerin Schavan die Zuständigkeit für die beiden Universitäten in Hamburg und München übertragen werden.“ Guttenberg hat Teile seiner Doktorarbeit ohne Quellenangaben abgeschrieben. Daraufhin entzog ihm die Universität Bayreuth den akademischen Titel. Bisher hat der Minister alle Vorwürfe zurückgewiesen, mit Absicht betrogen zu haben. Merkel hatte unter anderem erklärt, sie sehe in Guttenberg nicht den Doktoranden, sondern den Verteidigungsminister.

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Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Günther Beckstein sagt zu „stern.de“: „Die Affäre um seine Dissertation schadet der CSU und ihm selbst.“ Der CSU-Politiker hält es für möglich, dass Guttenberg seinen Ministerposten verliert. „Sollte sich herausstellen, dass zu Guttenberg im Amt oder vor dem Bundestag etwas Unwahres gesagt hat, müsste er zurücktreten“, sagte Beckstein.

CSU-Chef Horst Seehofer hat die Koalitionspartner CDU und FDP aufgefordert, in der Plagiats-Affäre die Angriffe auf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) einzustellen. Die CSU sei ein Teil dieser Koalition und dürfe deshalb erwarten, dass man mit Respekt mit Ministern umgehe, sagte Seehofer nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. Dies sei eine „ernste Bemerkung“, betonte er. Kritik insbesondere von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bezeichnete Seehofer als „absolut unangemessen und befremdlich“. „Einzelne Äußerungen“ aus CDU und FDP kämen der CSU „schon befremdlich vor“. Deutliche Kritik an Guttenberg hatte auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) geübt. (abendblatt.de/dapd)

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