Jura-Professor nennt Guttenberg einen Betrüger

In der Plagiatsaffäre gibt es nun auch Kritik aus der CDU am Verteidigungsminister

Berlin. Spitzenwissenschaftler fürchten wegen der Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) negative Wirkungen auf das Ansehen der Wissenschaft in Deutschland und die Achtung des geistigen Eigentums. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, "deutlich zu sagen, dass Raubkopieren auch weiterhin kein Kavaliersdelikt ist, egal ob sie an ihrem raubkopierenden Bundesverteidigungsminister festhält oder nicht".

Der Bayreuther Jura-Professor Oliver Lepsius, der den Lehrstuhl von Guttenbergs inzwischen emeritiertem Doktorvater übernommen hat, machte dem Minister einen schweren Vorwurf: "Wir sind einem Betrüger aufgesessen", sagte Lepsius der "Süddeutschen Zeitung". Guttenbergs Aussage, er habe in seiner Doktorarbeit ohne Vorsatz falsch zitiert, ließ der Jurist nicht gelten. "Der Minister leidet unter Realitätsverlust."

Auch aus der Union kommt nun erste vorsichtige Kritik: So zweifelt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) am politischen Stehvermögen des Verteidigungsministers und kritisierte ihn im "Tagesspiegel": "Ich halte das Verhalten des Doktoranden zu Guttenberg weder für legitim noch für ehrenhaft."