Die Gewinner der Plagiats-Affäre

Hamburg. Wenn es Gewinner in der Plagiats-Affäre um die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gibt, dann sind es Ghostwriter. "Seit einer Woche glüht das Telefon", sagt Karl-Heinz Smuda, 50, Ghostwriter aus Berlin. Rund 130 Anfragen für wissenschaftliche Arbeiten habe er seit Beginn der Affäre gehabt. "Viel mehr als sonst." Smuda ist seit 35 Jahren im Geschäft.

Seine Homepage wird so häufig angeklickt wie nie zuvor. "Ich kann die Google-Suchworte einsehen, mit denen mich Menschen finden", sagt Smuda. In den vergangenen Tagen seien die Kombinationen "Guttenberg, Preise, Ghostwriter" oder "Guttenbergs Ghostwriter" besonders häufig gewesen.

Bei den Interessenten handele es sich meist um Studenten mit gut verdienenden Eltern, erzählt Smuda. Sie erhalten eine klare Antwort: kein Ghostwriting für Studenten. "Betrug ist kein Ausgangspunkt für eine Karriere", steht auf Smudas Homepage. Einige Interessenten hätten gar keine Hemmungen. Gleich 150 Arbeiten der Geschichte und Literaturwissenschaft habe ein Kleinunternehmer bestellen wollen - für den Weiterverkauf. Gesamtvolumen: 300 000 Euro, unversteuert. "Ich wäre drei Jahre damit beschäftigt, Unis und das Finanzamt zu betrügen. Da habe ich lieber abgelehnt", sagt Smuda. Obwohl er wissenschaftliches Ghostwriting heute verneint, räumt Smuda ein, es vor ein paar Jahren probiert zu haben: "Aber der permanente Druck, dass ein Professor die Arbeit bewertet, war mir auf Dauer zu heikel." Heute schreibe er Bücher für Menschen mit einen Mitteilungsbedürfnis, die sich das Schreiben nicht zutrauten.

Das sei lukrativ. Aber auch mit wissenschaftlichem Ghostwriting lasse sich viel Geld verdienen, sagt Smuda. "Wer die Skrupel hinter sich lässt, kann ziemlich reich werden." 25 000 bis 30 000 Euro Einnahmen seien im Monat möglich. Eine Masterarbeit koste zwischen 2000 und 3000 Euro, eine Doktorarbeit von 470 Seiten bis zu 25 000 Euro, schätzt der Ghostwriter. "Aber mit einem Doktortitel verdienen die Leute im Job mehr Geld, da amortisiert sich die Investition schnell."

Der Berliner Ghostwriter Harald Bahner, Büroadresse "Unter den Linden", wimmelt Journalisten mit Fragen nach Guttenberg und Ghostwriting harsch ab. Ein Angebotsüberblick auf seiner Website verheißt "wissenschaftliche Texte aller Art", darunter Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Staatsexamensarbeiten und Doktorarbeiten. Ratenzahlung sei möglich.

Dabei handele es sich um "Entwürfe zur Anregung in vielen wissenschaftlichen Fachbereichen". "Mit Ihrer Auftragserteilung versichern Sie, den Ihnen gelieferten Text weder in Teilen noch als Ganzes eins zu eins in Ihrem Namen als eigene Prüfungsleistung bei einer Hochschule einzureichen."

Karl-Heinz Smuda hält solche Klauseln für unglaubwürdig. Einige Ghostwriter sicherten sich so juristisch ab. "Tatsächlich gibt es ein Schweigeabkommen mit den Kunden. Aber wenn die Studenten erwischt werden, kann ich mich nicht rausreden, ich wusste das nicht", sagt Smuda.

Zum gleichen Schluss kam kürzlich auch das Oberlandesgericht Düsseldorf. Es verbot einem Ghostwriter, damit zu werben, er sei "einer der Marktführer". Er biete ausschließlich verbotene Dienstleistungen an, hieß es in der Pressemitteilung zum Urteil. Der Hinweis auf der Internetseite, die Arbeiten dürften nur zu Übungszwecken verwendet werden, sei nicht ernst gemeint. Es sei lebensfremd, dass jemand mehr als 10 000 Euro für einen bloßen Übungstext zahle.

Beim Verteidigungsminister allerdings ist sich Smuda sicher, dass er keinen Profi beauftragt hat. Zu viele Fehler. Smuda vermutet, dass Guttenberg Helfer aus dem engeren Mitarbeiterkreis gehabt habe. "Irgendwelche Leute, die noch etwas werden wollen."

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