Julian Assange

WikiLeaks-Gründer in London von Scotland Yard verhaftet

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Julian Assange ist ins Netz gegangen. Scotland Yard hat den WikiLeaks-Gründer in London verhaftet. Wird er jetzt an die USA ausgeliefert?

London/Hamburg. Die britische Polizei hat den Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, in London verhaftet. Scotland Yard bestätigte entsprechende Medienberichte. Die britischen Behörden hatten am Montag einen neuen Haftbefehl aus Schweden erhalten, wo Assange wegen erhobener Vergewaltigungsvorwürfe von der Justiz gesucht wird.

Die Verhaftung geschah ausgerechnet an dem Tag, als der britische Premierminister David Cameron in Afghanistan erklärte, Großbritannien könnte schon im kommenden Jahr mit dem Abzug seiner Truppen beginnen. Auch der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates traf am Dienstag zu einem Besuch in Afghanistan ein. Er wollte den noch knapp 100.000 am Hindukusch stationierten US-Soldaten kurz vor Weihnachten für ihren Einsatz zu danken.

Cameron erklärte auf einer Pressekonferenz mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Kabul, die Nato beginne im kommenden Jahr eine Übergangszeit und übergebe Bezirke und Provinzen an die Afghanen. Dieser Prozess solle bis 2014 abgeschlossen sein. Auf die Frage nach einem britischen Abzug erklärte er, dieser sei schon im kommenden Jahr möglich. Cameron und Karsai gingen auch auf Informationen aus den WikiLeaks-Veröffentlichungen ein. In einem der Dokumente vom November 2008 hieß es, die USA und Karsai seien der Meinung, dass „die Briten der Aufgabe der Sicherung von Helmand nicht gewachsen sind“. Cameron sagte dazu, Großbritannien habe damals nicht genug Soldaten in Helmand gehabt. Karsai erklärte, die britische Regierung habe Afghanistan und das afghanische Volk stets unterstützt.

Der „Guardian“ berichtete, Julian Assange wolle noch an diesem Dienstag mit der britischen Justiz über eine Freilassung gegen Kaution verhandeln. Die Kaution könnte demnach zwischen 100.000 und 200.000 Pfund (120.000 bis 236.000 Euro) betragen. Assanges Anwalt Mark Stephens wollte den Bericht nicht bestätigen. „Ich habe bisher keine Vereinbarung mit der Polizei getroffen“, sagte er.

Am Montag hatte Anwalt Stephens der BBC gesagt, sein Mandant sei zu einem Treffen mit der britischen Polizei bereit. Demnach befand sich Stephens in Kontakt mit der Polizei zur Vorbereitung eines freiwilligen Treffens mit Assange in „absehbarer Zukunft“. Bei dem Gespräch solle Assange lediglich befragt werden, sagte Stephens. Der Anwalt hatte erklärt, er werde jeden Versuch zur Auslieferung Assanges bekämpfen. Er fürchtet, dass Schweden den 39-Jährigen an die USA ausliefern könnte, die wegen der Veröffentlichung vertraulicher US-Depeschen gegen WikiLeaks und Assange ermitteln.

( (AFP/dapd/abendblatt.de) )