Meinung
Abendblatt-Autoren

Wer ist eigentlich ... Matthias Popien?

Immer montags: Der Fragebogen an die Abendblatt-Autoren, deren Namen man fast täglich in der Zeitung liest: Heute: Matthias Popien

Ich bin Journalist geworden, weil:

Als kleiner Junge wollte ich Lokführer werden, sehr viel später dann Vaporetto-Fahrer in Venedig. Da war ich aber schon Journalist – und mochte nicht mehr darauf verzichten, Zeitung nicht nur zu lesen, sondern auch zu machen.

Meine großen Themen sind:

… manchmal auch ganz kleine Themen. Kleine Blaualgen-Badeverbote zum Beispiel, oder ein kleiner Weihnachtsbaum an der Ludwig-Erhard-Straße. Aber eben auch lange und große Autobahnbaustellen und die ganz große Politik im ganz großen Nachbar-Bundesland Schleswig-Holstein.

Ich wollte immer zum Hamburger Abendblatt, weil:

… das Abendblatt natürlich die beste Tageszeitung im Norden ist und Deutschland den weltbesten Norden hat (um es mal mit Trump zu formulieren).

Ein Text über mich sollte mit folgendem Satz beginnen:

Es sollte auf jeden Fall ein Satz sein, der zum Weiterlesen anregt, also zum Beispiel: „Am Morgen seines ersten Interviews mit Olaf Scholz wachte er schweißgebadet auf.“

Drei Dinge, die ich an Hamburg und dem Norden am meisten schätze:

Es sind vier: Die Ferne zu den Alpen, die Nähe zum Meer, der erfreuliche Mangel an windstillen Tagen und Altona 93.

Drei Dinge, die in Hamburg und im Norden besser werden müssen:

Dreimal mehr Kooperation mit den Nachbar-Bundesländern.

Demnächst würde ich gern mal ein Interview führen mit:

... Ex-SPD-Chef Martin Schulz.

Das wäre meine wichtigste Frage:

Ein Jahr nach dieser irren Wahlnieder­lage: Wie kommt man da halbwegs heil raus?

Die schwierigste Geschichte, die ich recherchieren musste:

Aufstieg und Fall der HSH-Nordbank. Schwer verständliche Transaktionen gehörten dazu, die die Bank zum Geschäftsgeheimnis erklärte, obwohl sie den Steuerzahlern gehörte. Noch schlimmer: Offenbar hatten selbst die Banker ihre Transaktionen nicht vollständig verstanden.

An diese Geschichte von mir denke ich gern zurück:
Vor vielen Jahren besuchte ich einen mittellosen Rentner, der dringend eine neue Brille brauchte, aber die Eigenbeteiligung nicht zahlen konnte. Mein Artikel brachte die Krankenkasse dazu, dem Rentner zu helfen. Die große Dankbarkeit des Mannes werde ich nie vergessen.

Diese Geschichte hätte ich lieber nicht geschrieben:

Nö, da habe ich ein reines Gewissen.

Das spannendste Ereignis, bei dem ich als Journalist dabei sein durfte:

Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Wenn die Wähler zeigen, wer der Mächtigste im ganzen Land ist, wenn die Politiker zittern und zagen, wenn es keiner Hochrechnung bedarf, sondern nur eines Blickes in die Gesichter der Wartenden, um das Ergebnis zu erahnen – dann wird unsere ansonsten manchmal ziemlich komplizierte Demokratie plötzlich leicht verständlich.

Im letzten Leserbrief, den ich bekommen habe, ging es um:
... meinen Wohnmobiltest ­-- verbunden mit der freundlichen Empfehlung, doch mal im Wohnmobil durch Skandinavien zu fahren.

Wenn ich etwas anderes beim Hamburger Abendblatt machen könnte, dann wäre ich gern:

... Layouter (weil eine schöne Zeitungsseite einfach ein Genuss ist) oder Sportredakteur (weil selbst ein nicht so gutes Fußballspiel ein Genuss sein kann).

Wenn das Hamburger Abendblatt ein Mensch wäre, dann wäre es:

... ein Rentner-Ehepaar, das sich rührend um seine Katze kümmert, das sich Sorgen um den Bürgermeister macht, weil der neulich im Fernsehen so abgearbeitet aussah, das im Treppenhaus freundlich grüßt und eine so dezidiert hamburgische An- und Aussprache pflegt, dass junge Leute die beiden schon wieder als cool empfinden.

Meine größte Leidenschaft ist:

Musik.


Lebenslauf:
1960 in Lübeck geboren. Abitur, Ausbildung zum Großhandelskaufmann. Studium (Literaturwissenschaft, Linguistik, Slawistik) in Hamburg und Göttingen. Volontariat bei den „Lübecker Nachrichten“, dann Wechsel in die Stormarn-Redaktion des Abendblatts. Seit 2013 Schleswig-Holstein-Korrespondent.