Meinung
Abendblatt-Autoren

Wer ist eigentlich ... Insa Gall?

Immer montags: Der Fragebogen an die Abendblatt-Autoren, deren Namen man oft in der Zeitung liest. Was bewegt sie? Heute: Insa Gall.

Ich bin Journalistin geworden, weil...

... es für mich kaum etwas Spannenderes gibt als das aktuelle Geschehen. Als Journalistin habe ich das Gefühl, immer mittendrin zu sein. Und wichtigen Menschen zu allen Themen, die mich interessieren, Fragen stellen zu können.


Ich wollte immer zum
Hamburger Abendblatt, weil ...

... es die netteste Redaktion ist, die ich kenne.


Ein Text über mich sollte
mit folgendem Satz beginnen:

Sie ist fair und furchtlos. Jedenfalls hoffe ich das. Für gute Geschichten muss man manchmal auch schmerzhaft nachbohren, Politikern unbequeme Fragen stellen und in Kommentaren deutliche Worte finden – aber immer so, dass man sich am nächsten Tag auch wieder begegnen kann.


Drei Dinge, die ich an Hamburg
und dem Norden am meisten schätze:

Das Gerade, Klare, Schnörkellose. Die manchmal raue Schönheit und der zurückgenommene Humor.


Drei Dinge, die in Hamburg und
im Norden besser werden müssen:

Mehr Ehrgeiz, weniger Staus – und besseres Wetter.


Demnächst würde ich gern mal
ein Interview führen mit …

… Erzbischof Stefan Heße. Und ihn fragen, wie er die Sache der katholischen Kirche in Hamburg so beschädigen kann.


Der interessanteste Interviewpartner,
den ich bisher hatte:

Zwei Stunden mit Loki Schmidt bei ihr im Neubergerweg. Ein spannendes Gespräch über Schule, Erziehung, Kinder und das Leben. Frau Schmidt war ungeheuer zugewandt, nach einer Stunde waren mindestens zehn Zigaretten geraucht. Plötzlich stand ein Mann mit Helmut-Schmidt-Mütze in der Tür. Es war Helmut Schmidt! Der Kanzler meiner Kindheit. „Na, kommt ihr voran?“ fragte er, klönte kurz und verabschiedete sich dann ins Büro.
Die schwierigste Geschichte,
die ich recherchieren musste:

Das war der Tod der siebenjährigen Jessica in Jenfeld 2005. Ihre Eltern hatten sie in einem Zimmer eingesperrt und verhungern lassen. In ihrem Magen fand man Fensterkitt, so verzweifelt war das Kind. Darüber zu berichten war schwer. Einerseits waren mit professioneller Distanz die Einzelheiten des Falls aufzuspüren und das Versagen der Behörden zu ergründen – andererseits hätte ich über so viel Kinderleid heulen können. Meine eigene Tochter war damals ein Jahr alt. Über den Prozess habe ich dann nicht mehr berichtet, es ging mir einfach zu nah.


Das spannendste Ereignis, bei dem
ich als Journalistin dabei sein durfte:

Das war wohl der G-20-Gipfel in Hamburg mit der Weltprominenz direkt vor der Tür. Tage des Ausnahmezustandes – in unserer Stadt, in der Redaktion, in meinem Leben. Aber cool!


Neben dem Abendblatt lese ich
folgende Zeitungen/Zeitschriften:

Jeden morgen die „Süddeutsche“, jeden Sonntag die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Und beruflich natürlich „Spiegel“, „Bild“, „Welt“, „Mopo“ und „taz“. „Gala“ und „Bunte“ nur beim Arzt oder Friseur – aber mit Hingabe.


Im Hamburger Abendblatt
lese ich am liebsten:

Den Lokalteil!


Meine größte Leidenschaft ist:
Ehrlich wahr: meine Familie – mein Mann und meine beiden Töchter. Zwischen ihnen und meinem Job teile ich fast meine ganze Zeit auf, so geht es wohl den meisten berufstätigen Müttern.


Was ich gern lese:
Krimis zum Beispiel von Hakan Nesser, alles von Ian McEwan und am allerliebsten „Stolz und Vorurteil“ von der wunderbaren Jane Austen. Bin halt am Ende doch Romantikerin!


Derzeit lese ich:
Nicky Gumbel, „Fragen an das Leben“.


Mein Lieblingsrestaurant ist:
Das Cox an der Langen Reihe, immer eine gute Idee – seit mehr als 20 Jahren.


Vita
Insa Gall hat Geschichte, Politik und Volkswirtschaftslehre studiert, in den USA und in Paris gelebt und bei den „Lübecker Nachrichten“ volontiert. Nach 15 Jahren bei der „Welt Hamburg“ kam sie Ende 2012 zum Hamburger Abendblatt und wurde 2015 Lokalchefin.