Meinung
Abendblatt-Autoren

Wer ist eigentlich ... Jens Meyer-Wellmann?

Dr. Jens Meyer-Wellmann

Dr. Jens Meyer-Wellmann

Foto: Privat

Der Fragebogen an die Abendblatt-Autoren, deren Namen man beinahe jeden Tag in der Zeitung liest. Heute: Jens Meyer-Wellmann.

Ich bin Journalist geworden, weil:

... ich als Kind das MB-Spiel „Reporter“ geliebt habe, bei dem es einen Nachrichtenticker gab und man auf Recherche rund um die Welt reisen konnte.


Meine großen Themen sind:

Hamburger Landespolitik – vor allem Verkehr, Umwelt, Energie, Digitales.

Ich wollte immer zum Hamburger Abendblatt, weil:

... die „New York Times“ mir zu trutschig war und ich damals den Eindruck hatte, der „Stern“ prüfe historische Quellen bisweilen nicht genau genug. Außerdem ist das Abendblatt bekanntlich die beste Regionalzeitung südlich des Nordkaps – mit den besten Kollegen.


Drei Dinge, die ich an Hamburg und dem Norden am meisten schätze:

Das Grün, das Wasser und die immer lebendigere Kulturszene. Früher auch mal den Verein mit der Raute.

Drei Dinge, die in Hamburg und im Norden besser werden müssen:

Radwege und U-Bahn-Netz. Auf das Dauergrau im Winter könnte ich verzichten. Beim HSV habe ich die Hoffnung eigentlich aufgegeben. Der hat Sohn eins und mir seit Jahren die Wochenenden vermiest. Oder sollte die Zweite Liga doch endlich den so lange ersehnten Neustart bringen? Und endlich auch mal wieder gute Laune bei den HSVern?

Der interessanteste Interviewpartner, den ich bisher hatte:

Der achtjährige Flavio, der mit seiner Familie in Hamburgs Partnerstadt León in Nicaragua von dem leben musste, was er auf dem Müllberg der Stadt fand.

Die schwierigste Geschichte, die ich recherchieren musste:

Ein Vergewaltiger erkrankte im Gefängnis an Krebs und bat um Entlassung zum Sterben. Ich recherchierte und erzählte die Geschichte seiner Kindheit und Adoption durch einen prominenten Polizisten, die Geschichte seiner brutalen Tat und des großen Leids seines Opfers. Dabei ging es letztlich um die Frage: Darf es Erbarmen auch für einen so schuldbeladenen Menschen geben? Die Antwort überließ ich den Lesern. Der kürzlich verstorbene, sehr engagierte Altonaer Krankenhausseelsorger Heinz Padell hatte sich für die Entlassung des todkranken Mannes eingesetzt.

Im letzten Leserbrief, den ich bekommen habe, ging es:

Um rücksichtslose Radfahrer und Raser im Auto. Das angespannte Verkehrsklima spiegelt sich in den E-Mails wider.

Wenn das Hamburger Abendblatt ein Mensch wäre, dann wäre es:

Eine bodenständige, weltoffene Frau in den besten Jahren, die Wert auf Anstand und Gerechtigkeit legt – und außerdem von Tag zu Tag fröhlicher wird.

Die sozialen Medien sind für mich:

Inspiration, Freude, Ärgernis, Recherchequelle, Ausspielkanal und wertvolles Feedback-Instrument. Facebook, Twitter, Instagram und Co. sind eine Bereicherung. Man muss sie halt weise nutzen. An der Weisheit arbeite ich noch.

Meine größten Leidenschaften sind:

Meine Hängematte. Doppelkopf. Unsere Dackeldame Emma. Meine aufmüpfigen Söhne und meine fröhliche, sehr laut lachende Frau. Reihenfolge nicht korrekt.

Mein Lieblingsbuch/Lieblingsautor ist:

„Rayuela“ von Julio Cortázar. Kein Zweifel: Das ist das beste Buch der Welt. Außer der Bibel natürlich.

Im Moment lese ich folgendes Buch:

Vier parallel: „Ungläubiges Staunen“ von Navid Kermani – um Islam (und Christentum) besser zu verstehen. „Die große Gereiztheit“ von Bernhard Pörksen – über Auswege aus digitaler Dauerhysterie. „Telefongespräche“ vom früh verstorbenen Chilenen Roberto Bolaño. Und zum x-ten Mal das genialisch fiese „Holzfällen“ von Thomas Bernhard.

Mein Lieblingsrestaurant ist:

Olympisches Feuer am Schulterblatt. Besonderer Kellner: Conny – trauriger HSVer unter all den FC-St.-Pauli-Fans.

Menschen, die an der Glaubwürdigkeit von Medien zweifeln, sage ich:

Natürlich machen auch wir Journalisten Fehler. In Zeiten, in denen so viel Unfug kursiert und die Demokratien gefährdet, braucht man sie aber trotzdem: eine In­stanz, die sich professionell um die Überprüfung von Fakten und die Auswahl relevanter Nachrichten bemüht.

Vita: Jens Meyer-Wellmann wurde in Hannover geboren und verbrachte einen Teil seiner Jugend in Südamerika. Nach Abitur in Paraguay leistete er Zivildienst in Wilhelmsburg als Sozialberater für Ausländer. Er studierte Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Lateinamerikastudien und promovierte über Parteien in Lateinamerika. Nach Besuch der Axel Springer Akademie kam er zum Abendblatt, arbeitete als Vizeredaktionsleiter bei „Welt“ und „Welt am Sonntag“ und kehrte 2015 zum Abendblatt zurück. Jens Meyer-Wellmann lebt mit Frau, Söhnen und Dackel in Hamburg-Niendorf.

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