Meinung
Abendblatt-Autoren

Wer ist eigentlich ... Thomas Andre?

Immer montags: Der Fragebogen an die Abendblatt-Autoren, deren Namen man beinahe jeden Tag in der Zeitung liest. Heute: Thomas Andre.

Ich bin Journalist geworden, weil:
... ich früh die Verlässlichkeit der Zeitung mochte: Sie lag jeden Morgen im Briefkasten, als ich ein Kind war. Damals reifte der Wunsch, selbst zu schreiben. Mit Sicherheit kannte ich den Begriff „Wissensgesellschaft“ damals nicht, aber ich hielt die Zeitung uneingeschränkt für das, was mich und alle anderen schlauer macht. Später dann fiel mir auf, wie reizvoll es ist, in der täglichen Arbeit Aussagen über Menschen treffen zu dürfen, die sich dagegen erst mal nicht wehren können. Die Aussagen sollten gerade deshalb fair und sensibel sein: Journalismus ist eine Schule der Empathie.


Drei Dinge, die ich an Hamburg und dem Norden am meisten schätze:
Horizont, Wasser, Gelassenheit.


Drei Dinge, die in Hamburg und im Norden besser werden müssen:
Die Luft. Autos raus aus der Stadt! Die Immobilienpreise. Sie haben ein lächerlich hohes Niveau erreicht, das unsere Stadt längst in zwei und mehr Teile trennt. Stünde ich politisch links, ich stimmte den „Alle enteignen“-Schlachtruf an. Leider bin ich mittlerweile zu alt für so etwas, und Neid ist ohnehin eine Hauptsünde. Außerdem: bisschen mehr Esprit, Leute.


Demnächst würde ich gern mal ein Interview führen mit:

Alexander Gauland. Oder lieber nicht?


Das wären meine wichtigsten Fragen: Ob ihn nicht wenigstens manchmal und nur ganz heimlich Anflüge der Scham ereilen. Ob er weiß, dass Leute wie er die kulturell und politisch durchaus auch segensreiche Weltanschauung des Konservatismus mit ihrer Skrupellosigkeit permanent beschmutzen. Ob ich ihm beibringen darf, wie das wirklich geht mit dem Patriotismus.

Der interessanteste Interviewpartner, den ich bisher hatte:
Karl Ove Knausgård.


An diese Geschichte von mir denke ich gern zurück:
Ich war einmal als berichterstattender Reporter bei der Pressekonferenz, auf der der wunderbare Fußballer Diego als Neuzugang bei meinem Lieblingsverein verkündet wurde. Alle Kollegen, die normalerweise über diesen Transfer berichtet hätten, hatten frei. Ich war nur der Lückenfüller, aber ich hatte eine Menge Spaß. Genau: Eigentlich wäre ich gerne Sportreporter geworden. Nun ist es aber auch sehr gut, wie es ist: Das glorreiche Hamburger Literaturhaus, die großartigste Kulturinstitution unserer Stadt, ist mir als Feuilletonjournalist ein bevorzugter Einsatzort geworden.


Im letzten Leserbrief, den ich bekommen habe, ging es um:
... einen von mir zusammengestellten Kanon der Hamburg-Literatur, in dem ich, so der Briefschreiber, so einiges vergessen hatte.


Wenn ich etwas anderes beim Hamburger Abendblatt machen könnte, dann wäre ich gern:
... wahrscheinlich, siehe oben, Sportreporter. Und unsere Sportredaktion ist spitzenklasse, sehr nette und fachlich hervorragende Kollegen arbeiten da. Aber nein, ich kann dort natürlich nicht arbeiten, wirklich nicht. Ich bin dafür einfach zu grün.


Neben dem Hamburger Abendblatt lese ich zum Beispiel folgende Zeitungen/Zeitschriften:
„Süddeutsche“, „Die Zeit“, „Spiegel“, „Werder-Magazin“.


Die sozialen Medien sind für mich:
Nicht sonderlich originell: oft unsozial.


Meine Lieblingsplätze in Hamburg sind: der Jenischpark, sonnabends gerne auch mal Hauptbahnhof Gleis 13 – dort fährt der Metronom nach Bremen, meine immer noch heimliche Lieblingsstadt, in Richtung Weserstadion also.


Das mache ich, wenn ich nicht arbeite: Ich bin gerne und oft in Hamburg unterwegs, dieser Stadt, die am stärksten ihre einmalige Wirkung entfaltet, wenn sie nicht selbst besoffen (Hafengeburtstag! Harley Days! Schlagermove!) ist von ihrer ja tatsächlich vorhandenen Grandiosität – und immer noch eher schlafend als aufgeregt als Schönheit an der Elbe vor sich hin chillt.


Menschen, die an der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit von Medien
zweifeln, sage ich:

Werdet erwachsen. Meidet die sozialen Medien. Dort sind fiese Bots unterwegs, die euch für dümmer halten, als ihr es hoffentlich seid.

Vita: Thomas Andre (40) studierte Germanistik, Kulturwissenschaft und Geschichte in Bremen. Seit 1996 arbeitet er für Zeitungen. Seit 2008 beim Abendblatt.