Meinung
Abendblatt-Autoren

Wer ist eigentlich ... Peter Wenig?

Peter Wenig

Peter Wenig

Foto: Andreas Laible / HA

Jetzt immer montags: Der Fragebogen an die Abendblatt-Autoren, deren Namen man fast jeden Tag in der Zeitung liest. Was bewegt sie? Heute: Peter Wenig

Ich bin Journalist geworden, weil ...

... ich nichts spannender finde, als Geschichten über Menschen aufzuschreiben. Für mich auch nach 35 Dienstjahren der schönste Beruf der Welt.

Meine großen Themen sind ...

... Menschen mit Behinderung, Pflege, Gesundheit und Stadtentwicklung. Aber für gute Geschichten weiche ich gern auf andere Bereiche aus.

Ein Text über mich sollte mit folgendem Satz beginnen:

Er kämpft für seine Themen – und ist dennoch ein Mannschaftsspieler .

Drei Dinge, die ich an Hamburg und dem Norden am meisten schätze:

Ganz klassisch: die Elbe. Die Alster. Die Menschen.

Drei Dinge, die in Hamburg und im Norden besser werden müssen:

Das Wetter – angeblich hat 2017 an 1484 Stunden die Sonne geschienen. Wahrscheinlich war ich dann stets in der Redaktion oder verreist. Der HSV. Und der FC St. Pauli.

Die interessantesten Interviewpartner, die ich bisher hatte:

Das Gespräch über Tod, Trauer und Sterbehilfe mit Rechtsmediziner Klaus Püschel und Hanns-Stephan Haas, Vorstandschef der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, klingt in mir noch immer nach. Überzeugter Atheist trifft leidenschaftlichen Theologen. Und doch verbindet beide mehr, als man denkt.

Die bewegendste Geschichte, die ich recherchieren durfte:

Das Porträt einer Mutter, deren Sohn bei einem Ausflug ins Bäderland MidSommerland Harburg ertrank. Sie hatte den Kleinen für einen Moment aus den Augen verloren, was jeder Mutter, jedem Vater schon mal passiert ist. In diesem Fall führte es zu einer Tragödie.

An diese Geschichte von mir denke ich gern zurück:

In Zeitabständen konnte ich über Monate den Hamburger Schauspieler Oliver Warsitz begleiten. Die Nahaufnahme eines Künstlers, der trotz des täglichen Kampfs um Gagen und Engagements nie ans Aufgeben denkt. Und eine Geschichte, die zeigt, unter welch prekären Bedingungen viele Schauspieler in Deutschland arbeiten und leben.

Das spannendste Ereignis, bei dem ich als Journalist dabei sein durfte:

Der G-20-Gipfel in Hamburg. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Und eine Redaktion in Bestform. Diese Tage haben mir einmal mehr gezeigt, mit welch großartigen Kolleginnen und Kollegen ich beim Abendblatt zusammenarbeiten darf.

Im letzten Leserbrief, den ich bekommen habe, ging es um ...

... einen peinlichen Fehler in meinem Bericht über das Konzert von Gustav Peter Wöhler in der Elbphilharmonie. Ich hatte in der Kritik ein Lied verwechselt. Aber: Abendblatt-Leser können verzeihen. Sie bedanken sich sogar, wenn man sich per Mail bei ihnen entschuldigt.

Neben dem Hamburger Abendblatt lese ich:

„Die Zeit“, „Spiegel“, „Süddeutsche“, „Bild“ und die „Mopo“.

Wenn ich Chefredakteur beim Abendblatt wäre, würde ich ...

... den Umfang des Blattes verdoppeln, um noch mehr spannende Geschichten unterzubringen. Leider würde diese Strategie in die Pleite führen. Aber ich habe da ohnehin keine Ambitionen, meinen Traumjob habe ich bereits.

Die sozialen Medien liefern für mich ...

... vor allem Anregungen für gute Geschichten.

Mein Lieblingsautor ...

... ist Hakan Nesser. Krimis von hoher literarischer Qualität.

Im Moment lese ich das Buch:

„Flugangst 7A“, ein Psycho-Thriller von Sebastian Fitzek. Unfassbar spannend.

Mein Lieblingsrestaurant ist ...

... der Italiener Arturo 1919 an der Großen Brunnenstraße in Ottensen. Großartige Küche mit apulischen Wurzeln.

Meine Lieblingsplätze in Hamburg und Umgebung sind ...

... der Elbwanderweg, der Fischers Park in Ottensen und der Stadtpark.

Menschen, die an der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit von Medien zweifeln, sage ich:

Unsere Branche muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass wir uns zeitweise um die Sorgen im Zusammenhang mit dem Ansturm von Flüchtlingen zu spät gekümmert haben. Leider haben Rechtspopulisten diese Flanke für ihre kruden Verschwörungstheorien genutzt, etwa, dass das Kanzleramt uns Geschichten diktieren würde. In Wahrheit sind sie es, die von gleichgeschalteten Medien als Plattform für ihre Hetze, für ihre Lügen träumen. Bitter, wie viele ihnen auf den Leim gehen. Dabei sind gerade Regionalzeitungen wie das Abendblatt in Topform. Hintergründig, vielfältig, spannend, dank des Internets multimediale Marken. Und wir haben endlich Frauen in Führungspositionen, sie haben uns besser gemacht. Viel besser.

Meine größte Leidenschaft ist ...

... neuerdings das Rudern. Ich fürchte, zum Leidwesen meiner Kameraden im Achter des RC Allemannia. Habt Geduld!

Vita

Peter Wenig wurde am 26. März 1961 in Meppen im Emsland geboren, Nach dem Studium (Journalistik und Politik) an der Universität Dortmund arbeitete er für die „Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung“, den „Express“, die „Abendzeitung“, die „Welt am Sonntag“, das Magazin „GQ“ und „Bild am Sonntag“. 2008 wechselte er als Sportchef zum Abendblatt. Inzwischen arbeitet er als Autor für das Blatt.

Peter Wenig, Autor des Buchs „Der große Hamburger Pflegeratgeber“, war zweimal für den Deutschen Reporterpreis nominiert und 2016 Preisträger beim Wettbewerb des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS). Er lebt mit seiner Familie in Ottensen.