Boykott

Riccardo Muti: Ich dirigiere nie mehr in der Elbphilharmonie

Der italienische Star-Dirigent Riccardo Muti.

Der italienische Star-Dirigent Riccardo Muti.

Foto: Picture Alliance

Der Star-Dirigent kritisiert die Akustik des Großen Saals scharf, spricht von Zeitverschwendung und einem Auftritts-Boykott.

Hamburg. Paukenschlag in der Kontroverse um die Akustik der Elbphilharmonie: Der italienische Star-Dirigent Riccardo Muti hat angekündigt, nicht mehr in Hamburgs berühmten Konzerthaus auftreten zu wollen.

"Die Elbphilharmonie ist ein mittelmäßiger Saal. Dort vergeude ich nicht meine Zeit", sagte der Maestro jetzt am Rande des "Tokyo-Spring-Festivals". Und weiter: "Ich trete da nicht mehr auf. Gerade habe ich die Elbphilharmonie für geplante Tourneen mit den Wiener Philharmonikern wie mit dem Chicago Symphony Orchestra aus der Reiseliste streichen lassen", so Riccardo Muti zur "Welt". Er verschärfte damit seine Kritik an der Elbphilharmonie, die er bereits 2017 gegenüber der Zeitung geäußert hatte.

Kritik an Elbphilharmonie-Akustik flammte im Januar auf

Die Diskussion um die Qualität der Elbphilharmonie-Akustik war im Januar durch ein Konzert des Star-Tenors Jonas Kaufmann entbrannt. Die verunglückte Aufführung von Mahlers „Lied von der Erde“ im Großen Saal wurde europaweit thematisiert. Zuhörer, die im Bereich hinter dem Orchester saßen, hatten wütend dazwischengerufen, sie würden dort nichts hören können; Jonas Kaufmann hatte genervt zurückgerufen, sie sollten doch die Architekten fragen.

Am Tag nach dem Konzert gab Kaufmann dem Abendblatt ein Interview, in dem er sich massiv über die Saal-Akustik beschwerte und andeutete, seinen nächsten Liederabend in Hamburg lieber in der Laeiszhalle zu geben. Das bescherte der Elbphilharmonie ein Imageproblem, genau einen Tag nach dem zweiten Geburtstag des Konzerthauses.

Elbphilharmonie-Akustiker: Kaufmann fehlten Proben

Im Verlauf der Kontroverse bilanzierte Elbphilharmonie-Akustiker Yasuhisa Toyota, dass Jonas Kaufmann, Dirigent und Orchester wohl zu wenig Zeit für die Vorbereitung auf den Großen Saal gehabt hätten und ihnen das zum Verhängnis wurde. Auch Weltklasse-Künstler wie Dirigent Christian Thielemann oder die Sänger Klaus-Florian Vogt und Andreas Schager lobten die Akustik des Saals nach ihren Auftritten.

Der Eintrag von Riccardo Muti im Gästebuch der Elbphilharmonie vom 15. Januar 2017 ließ seine kritische Haltung zum Saal noch nicht erahnen – damals gratulierte er.