Störendes Publikum

Nie wieder Elbphilharmonie? Jonas Kaufmann kritisiert Klang

Jonas Kaufmann bei seinem Konzert in der Elbphilharmonie am Sonnabend.

Jonas Kaufmann bei seinem Konzert in der Elbphilharmonie am Sonnabend.

Foto: Roland Magunia / HA

Beim Konzert verließen mehrfach Menschen den Großen Saal, dazu kamen Rufe wie "Hier hört man auch nichts!". Nun spricht der Tenor.

Hamburg. Bei seinem Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie wurde der Star-Tenor Jonas Kaufmann am Sonnabend durch Zwischenrufe wie "Man hört hier hinten auch nichts" und einzelne Besucher, die während Mahlers "Lied von der Erde" ihre Plätze wechselten oder den Saal verließen, deutlich aus dem Takt gebracht. Mehrfach, und am liebsten bei leisen Stellen, hatten Zuhörer – bestens hörbar und sichtbar– ihre Plätze verlassen. Andere spazierten aus seitlichen oder hinteren Bereichen weiter nach vorn – oder gleich ganz hinab, zu einzelnen frei gebliebenen Plätzen ins Parkett.

Der erste Ärger über dieses Erlebnis ist bei dem Sänger verraucht, doch der Nachhall dieser Erfahrung war Jonas Kaufmann auch am Tag danach noch anzuhören. Nach dem Flug in die Schweiz berichtete er am Sonntag während der Autofahrt nach Luzern, wo am Montag das nächste Konzert seiner Tournee mit dem Sinfonieorchester Basel stattfinden wird, telefonisch von seiner Verstimmungslage über diesen Hamburger Auftritt.

Hamburger Abendblatt: Haben Sie Verständnis für den Unmut der Zuschauer?

Jonas Kaufmann: Ich finde es verständlich, dass man sich darüber ärgert. Doch ich habe kein Verständnis dafür, dass man diesen Unmut so äußert, wie es geschehen ist. Aber das war ja nicht DAS Hamburger Publikum, sondern ein Publikum, das wohl immer noch auch der Wirkung des Konzerthauses als Touristenmagnet geschuldet ist. Und die Leute waren nicht nur wegen des Moments unzufrieden, sondern auch, weil sie sich auf ihren Plätzen wie Zuhörer 2. Klasse fühlten.

Wie empfinden Sie den Großen Saal?

Jonas Kaufmann: Sein Klang hat auch mit der Materialwahl zu tun, die mich am Anfang sehr verstört hat. Mit Holz gäbe es einen wärmeren, weichen Klang. Das ist eine Krux, mit der Hamburg nun wohl leben muss. Und ich frage mich auch wirklich, ob man nur bei der Planung dieses Saals einzig an Konzerte mit großen Orchestern gedacht hat und nicht an die Vielfalt unseres Metiers. Mein Vorschlag: Man hat so viel Geld für den Bau ausgegeben – kann man nicht auch noch eine Drehbühne für kleinere Formate einbauen?

Was rast in solchen Momenten durch den Kopf, wenn es einem urplötzlich die Konzentration zerreißt?

Jonas Kaufmann: Natürlich findet man schnell wieder zurück. Aber man denkt sich seinen Teil. So etwas ist ärgerlich, keine Frage. Ich kämpfe ja auch wirklich dafür, dass Klassik keine elitäre Note bekommt. Doch wenn ich mich noch nicht auskenne, dann sollte ich mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

Was bedeutet diese Erfahrung für Ihre zukünftigen Hamburg-Termine?

Jonas Kaufmann: Beim nächsten Mal würde ich gern eine kleine Ansprache darüber halten, wie filigran die Akustik im Großen Saal ist. Und dass man dort aber auch der Tatsache Rechnung tragen muss, dass wirklich alles für alle hörbar ist. Das muss man verstehen. Dieser Saal gibt einem keine Hilfe, das bemängele ich an ihm am meisten. Was meine nächsten Konzert-Engagements in Hamburg angeht: Ich möchte jetzt nicht „nie wieder“ sagen. Aber ich kann mir gut vorstellen, den nächsten Liederabend in der Laeiszhalle zu geben. Dort ist es doch wunderbar.