Den mutmaßlichen Tätern drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Bei dem Angriff waren fünf Polizisten verletzt worden, einer davon schwer.

Neuwiedenthal. Die Staatsanwaltschaft hat nach dem Überfall auf Polizisten in Neuwiedenthal Anklage gegen zwei mutmaßliche Haupttäter erhoben. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers auf Nachfrage. Bei dem Angriff von rund 30 Jugendlichen und jungen Männern Ende Juni waren fünf Polizisten verletzt worden, einer davon schwer. Unabhängig von dem Prozess gegen die Angeklagten Amor S. und Avni A., für den es noch keinen Termin gibt, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei der Polizisten wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt.


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Ende Juni hatte eine Polizeistreife einen 27-Jährigen wegen angeblichen Exhibitionismus am Rehrstieg angehalten, um dessen Personalien festzustellen. Laut der Polizisten habe eine Frau mit zwei Kindern auf den Mann aufmerksam gemacht. Laut Staatsanwaltschaft ist diese Frau allerdings nicht identifiziert worden. Vielmehr habe der Verdächtige auf der Straße uriniert und die Beamten provoziert. Da der angetrunkene Mann sich weigerte, seine Personalien anzugeben, wollten ihn die Polizisten in Gewahrsam nehmen. Dabei schlug einer der Beamten mit einem Schlagstock auf ihn ein. Ob diese Maßnahme gerechtfertigt war, ist Gegenstand des Ermittlungsverfahrens.

Gegenstand der Anklage ist der nun folgende Angriff auf die Polizisten. Als sie den 27-Jährigen in den Streifenwagen gesetzt hatten, wurden sie von der Gruppe der Männer beschimpft und angegriffen. Bei der Festnahme von Ahmed S. trat dessen Bruder Amor gegen den Kopf eines der Beamten. Er erlitt schwerste Brüche im Gesicht. Avni A. verletzte einen weiteren Beamten mit einem Hechtsprung in den Rücken. Ihnen drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Außerdem warfen einige Männer Flaschen und Steine. Gegen acht wird noch wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Oberstaatsanwalt Möllers geht davon aus, dass es zu Anklagen kommen kann.

Weitere Anklagen hat die Staatsanwaltschaft in einem anderen Gewaltexzess-Fall erhoben. Anfang Juni hatten der 17-jährige Mesut S. und der 18 Jahre alte Zana D. in einem Tunnel zur Straße Karnapp in Harburg einen Radfahrer geschlagen. Anschließend schlugen sie einen Mann, der zu Hilfe geeilt war. Kurz darauf traten sie so heftig auf einen Behinderten ein, dass er laut Anklage lebensgefährliche Verletzungen erlitt. Das Duo wartet in Untersuchungshaft auf den Prozess.