Immobilien Hamburg

71 neue Wohnungen am U-Bahnhof Hoheluft

Pläne für Areal an der Isebek vorgestellt. 2000 Quadratmeter sollen neu gestaltet werden. Bürohaus vom Tisch. Kritik von Bürgerinitiative.

Hamburg. Neubau oder Nichtbau - das ist hier die alte Frage. Denn das Gezerre um das Umfeld der Hoheluftbrücke dauert jetzt schon fast sechs Jahre. Es gibt 16 Urteile des Verwaltungsgerichts, zwei Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid. Zuletzt votierten im Juli 2010 knapp 70 Prozent der abstimmenden Eimsbüttler gegen einen Bürohausneubau zwischen U-Bahn-Station und Isebekkanal. Der Bebauungsplan "Hoheluft 13" wurde daraufhin gekippt, das Ufer des Kanals unter Naturschutz gestellt und eine Neugestaltung der Rad- und Fußwege nebst Baumrodungen verhindert.

Doch nun kommt wieder Bewegung in die Sache. Zumindest die fast 2000 Quadratmeter große Fläche zwischen U-Bahn-Station und Kanal soll neu gestaltet werden. Geplant ist ein 23 Meter hoher, siebengeschossiger Wohnhausneubau mit Spielplatz - das Isebekdomizil. Architektonisch würde sich das exponiert gelegene Objekt an die Rotklinkerbauten im unmittelbaren Umfeld anlehnen. Fassade und Struktur nehmen die Gestaltungselemente der alten Häuser auf. 30 Studenten- und 41 Mietwohnungen sowie zwei Geschäfte sollen Platz finden. Mit den Wohnungen könnte der Bezirk Eimsbüttel ein Zehntel seiner jährlichen Wohnraumverpflichtungen gegenüber der Stadt abdecken. Die Pläne des 21,5 Millionen Euro teuren Projekts stellte der Investor Bauplan Nord jetzt öffentlich vor.

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Möglich wurde der neue Anlauf, weil der Bürgerentscheid zwar gegen den Bebauungsplan "Hoheluft 13" gerichtet war, aber mit dessen Wegfall eine Planungsgrundlage aus dem Jahr 1955 in Kraft trat, wie Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) sagt. Demnach dürfe an der Stelle, an der jetzt eine McDonald's-Filiale steht, zwar kein Geschäfts-, aber ein Wohnhaus errichtet werden. Der Mietvertrag der Burgerbraterei laufe 2011 aus. Schon Anfang 2012 soll der zweckmäßige Flachbau abgerissen werden. Aus Sicht der Isebek-Initiative, die 2010 den Bürgerentscheid erzwungen hatte, setzt sich das Bezirksamt damit über den Bürgerwillen hinweg. "Es ist ein Beispiel für undemokratisches Verhalten", sagt Harald Duchrow. Gegen die neuen Pläne, die "Hoheluft-Koloss" genannt werden, hatte die Initiative eine einstweilige Verfügung beim Verwaltungsgericht eingereicht, der aus formalen Gründen nicht entsprochen wurde. Die neue Kritik zielt auf den Umgebungsschutz. Demnach werde mit dem geplanten Neubau das denkmalgeschützte Klinkerensemble verstellt, der Biotopverbund am Isebek gestört und durch erwartbare "hochpreisige Domizilwohnungen" eine Mietsteigerung im Umfeld vorangetrieben. "Es zeigt sich mal wieder, dass Geld die Stadtplanung beherrscht", sagt Harald Duchrow.

Derweil sieht der Zeitkorridor des Investors Folgendes vor: Wie Torsten Koch, Inhaber und Geschäftsführer von Bauplan Nord, ausführt, soll Anfang 2012 der Bauantrag eingereicht werden. "Und dann sind wir zuversichtlich, Mitte bis Ende desselben Jahres anfangen zu können." Eine schwierige Gründung neben der U-Bahn und dem Kanal lasse noch keine genauen Zeitprognosen zu, aber spätestens 2014 sollen die insgesamt 71 Wohnungen fertig sein.

Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke sieht in den neuen Planungen keine Verfehlungen. "Wir akzeptieren den Bürgerentscheid und die damit verbundene Veränderungssperre für den Grünzug am Isebekkanal." Das neue Projekt stehe auf einer rechtlich gesicherten Grundlage. Außerdem sei das "Domizil-Projekt" nunmehr in einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt, Anregungen aufgenommen worden. "Das war rechtlich nicht erforderlich, zeigt aber, dass der Investor an einer offenen, sachlichen Diskussion interessiert ist." Bauplan Nord war zuvor schon der Investor für das abgelehnte Bürohaus "Hoheluft-Kontor".

Der neue Entwurf sieht ein Wohnhaus auf 1200 bis 1300 Quadratmeter Grundfläche vor. Der angrenzende, 400 Quadratmeter große Spielplatz schaffe zum einen "Platzcharakter" im Westen des Baus, zum anderen werde damit ein Durchgang zu den Kleingärten an der U-Bahn-Linie gewährleistet. Der Bauantrag muss vom Bezirksamt geprüft und mit etwaigen Auflagen versehen werden, ein Beschluss der Bezirksversammlung ist nicht notwendig.