Elbphliharmonie

Senatorin: "Hochtief will Druck auf Stadt erhöhen"

Foto: Roland Magunia

Barbara Kisseler unterstellt dem Baukonzern, im Streit um die Elbphilharmonie aus Geldnot zu handeln und den Druck auf die Stadt zu erhöhen.

Hamburg. Barbara Kisseler gab sich ausgesprochen kämpferisch. Bei der Sitzung des Kulturausschusses im Kaisersaal des Rathauses reagierte die parteilose Kultursenatorin am Freitag auf das Abendblatt-Dossier über die Elbphilharmonie mit heftigen Vorwürfen gegen den Baukonzern Hochtief. "Das Unternehmen verfolgt eine Strategie, die einem monetären Ansatz dient. Hochtief geht es darum, den Druck auf die Stadt zu erhöhen", sagte Kisseler. Dem müsse man jetzt standhalten. Denn: "Die fachliche Position in den einzelnen Bereichen von Hochtief ist nicht so gut, wie sie selbst glauben."

Hochtief hatte, wie berichtet, die Arbeiten in vier wichtigen Bereichen der Elbphilharmonie aus mehreren Gründen weitgehend eingestellt. Bei der 80 Meter langen Rolltreppe geht der Streit um Risse in der Verkleidung, bei der historischen Fassade um die Reinigung, bei der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) um mangelnde Planung und nachträgliche Leistungsänderungen. Überall schwelt der Konflikt, nirgends ist eine Lösung in Sicht.

Nach wie vor heftig gestritten wird auch um die Statik des Daches im Großen Konzertsaal, welches am Ende das Gewicht von 14 Airbussen A380 tragen muss. Aus Sicherheitsbedenken weigert sich das Unternehmen, mit dem hochkomplexen Absenkungsprozess zu beginnen. "Die Situation ist sehr schwierig", sagte Kisseler.

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Dann aber verwies sie auf ein Gespräch mit Hochtief-Chef Henner Mahlstedt, der ihr vor geraumer Zeit versichert habe, dass das Dach baubar sei. "Es gibt keinen Grund, an der Standsicherheit zu zweifeln", sagte sie und fragte sich, ob vielleicht auch die interne Kommunikation in dem Essener Konzern nicht recht funktioniere. Die Stadt sehe bei Hochtief "Schwächen in der Ausführung", wofür vielleicht auch ein Indiz sei, dass der Konzern in diesem Bereich seinen Subunternehmer ausgewechselt habe.

Für die Ausschussmitglieder war die Frage der Sicherheit von elementarer Bedeutung. CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich wollte wissen, ob es richtig sei, dass Hochtief Prüfunterlagen vorenthalten werden würden, mit denen die Bedenken des Baukonzerns ausgeräumt werden könnten. Auf Nachfragen erfuhr er etwas umständlich, dass das richtig sei, weil die Stadt dazu auch nicht verpflichtet sei und mit der Herausgabe ihre eigene Position schwächen würde.

Die Frage ist nämlich letzten Endes, wer für die baulichen Verzögerungen verantwortlich gemacht wird. "Zeit ist Geld", bekam Wersich zur Antwort, "und vielleicht verfolgt Hochtief andere Motive als Sicherheitsbedenken." Überhaupt zeige die harte Haltung der Stadt gegenüber dem Baukonzern Wirkung. "Mit zunehmendem Zeitdruck werden auch die finanziellen Nöte von Hochtief deutlicher - das erklärt das eine oder andere Vorgehen", sagte Kisseler.

Deutlich wurde, wie verhärtet die Fronten zwischen Bauherrn und Hochtief mittlerweile sind. "Die Situation auf der Baustelle ist seit dem Regierungswechsel extrem verfahren", kritisierte Wersich. Und die entscheidende Frage ist, wie es jetzt weitergeht und ob es einen Ausweg aus dem Dilemma gibt. Kisseler sprach von "mehreren gangbaren Handlungsalternativen", wollte diese aber aus verhandlungstaktischen Gründen nicht näher ausführen. Hochtief-Sprecher Bernd Pütter hatte im Abendblatt gesagt, er könne sich eine Neuordnung des Projekts vorstellen, das Unternehmen wäre auch bereit, mehr Planungs-Verantwortung zu übernehmen.

Norbert Hackbusch (Linke) sieht die Ursachen für die "dramatische Situation" in dem Vertragswerk und fordert vom Senat, die Zeitpläne für aufgehoben zu erklären und ein neues Konzept für die Elbphilharmonie zu erarbeiten. Dabei müssten sowohl die vertraglichen Rahmenbedingungen als auch die Schnittstellen-Konstruktion verändert werden. Zudem habe die Stadt noch nicht alle Hausaufgaben gemacht, wie beispielsweise beim Brandschutz und bei der Fassadenreinigung.