Wissenschaftsetat

SPD kritisiert Aufblähung der Hochschul-Verwaltung

Foto: Michael Rauhe

Massive Kritik: Die SPD wirft der Universität Hamburg vor, allein in der Verwaltung seit dem Jahr 2005 rund 100 neue Stellen geschaffen zu haben.

Hamburg. Der Streit um die finanzielle Ausstattung der Hochschulen bekommt neue Nahrung. Die SPD wirft der Universität Hamburg vor, allein in der Verwaltung seit 2005 rund 100 neue Stellen geschaffen zu haben. "Fast 100 Stellen sind in Zeiten, in denen andere Hochschulen erkennbar Maß in ihren Verwaltungsbereichen gehalten haben, eigentlich zu viel", sagte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. Die Zahlen gehen aus der Antwort des Senats (liegt dem Abendblatt vor) auf eine Kleine Anfrage Dressels hervor. "Nicht bei jeder Stelle ist ersichtlich, was Forschung und Lehre dabei an Mehrwert haben", kritisiert der SPD-Fraktionschef. "Warum braucht der Uni-Vizepräsident eigentlich einen persönlichen Referenten? Auch das Aufblähen des Präsidenten-Stabs um eine halbe Million Euro erschließt sich nicht."

Die Kleine Anfrage hat eine lange Vorgeschichte. Seit bekannt wurde, dass der neue SPD-Senat Sparauflagen, die noch aus der Zeit des CDU/GAL-Senats stammen, übernimmt und zum Teil verschärft, haben die Hochschulen eine Protestwelle losgetreten. An ihre Spitze hat sich Uni-Präsident Dieter Lenzen gesetzt - im wahrsten Wortsinn saß er zusammen mit Studenten vor dem Rathaus. Die Protestler behaupten, die Zuweisungen an die Unis würden um rund 13 Millionen Euro gekürzt. Stimmt nicht, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) in seiner 100-Tage-Bilanz. Der Scheck für die Unis falle gegenüber 2010 (523 Millionen) in diesen Jahr sogar sieben Millionen höher aus.

Die Kritiker verweisen jedoch auf eine "globale Minderausgabe", die die Wissenschaftsbehörde pauschal verpflichtet, rund 13 Millionen Euro einzusparen. Angesichts der Tatsache, dass der Wissenschaftsetat überwiegend aus Zuweisungen an die Hochschulen bestehe, könne doch nur dort gespart werden.

Hier kommen die Uni-Verwaltungen ins Spiel. Dressel hatte schon im Mai in einem Abendblatt-Interview betont, dass er dort den Hebel für Kostensenkungen sieht: "Ich war selbst mal Student und später wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Universität. Mit Verlaub: Mir kann niemand sagen, dass gerade in den Verwaltungen kein Cent mehr zu holen ist." Eine Anfrage des FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Wieland Schinnenburg hatte kurz darauf ergeben, dass allein die Universität Hamburg heute gut 200 Leute mehr in der Verwaltung beschäftigt als noch 2005 (1024 zu 802).

Die Zahl der Köpfe hat die SPD nun in Stellen umrechnen lassen. Ergebnis: Die Haupt-Uni hat 100 neue Stellen in der Verwaltung geschaffen, die HafenCity-Universität (HCU) etwa 60, die anderen Hochschulen deutlich weniger. Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) hatte jüngst kritisiert, dass allein die Uni ihre Ausgaben für Verwaltung um zehn Millionen Euro gesteigert habe, und vor "Klamauk auf der Straße" gewarnt. Stattdessen sollten sich gerade die "höchsten Vertreter" der Uni an einer ernsthaften Debatte beteiligen.

Ernsthaft diskutiert wird bereits eine Zusammenlegung der Verwaltungen von HCU und Technischer Universität (TU) Hamburg-Harburg. "Es muss nicht jede Hochschule jede Verwaltungsausgabe selbst wahrnehmen", sagt Dressel. Hier gebe es "weiteres Potenzial". Reichlich Sprengstoff für Mittwoch - dann berät der Wissenschaftsausschuss den Etat.