Wissenschaftsetat

Uni Hamburg widersetzt sich Sparplan des Senats

Foto: Roland Magunia

Die Universität warnt vor einem Schreckensszenario. Bis zu 30 Fächer seien in Gefahr. "Wir werden nicht freiwillig Fachbereiche schließen".

Hamburg. Aufbegehren an Hamburgs Hochschulen. Der neue SPD-Senat will den Wissenschafts-Etat noch stärker kürzen als von der schwarz-grünen Vorgängerregierung ohnehin geplant - um zusätzlich 12,8 Millionen Euro pro Jahr. In bisher beispielloser Form kündigte die Universität Hamburg gestern an, sich den Sparplänen zu widersetzen. Sollten die Kürzungen Realität werden, warnt die Uni vor einem Schreckensszenario: dauerhafter Wegfall von 400 Stellen, davon 60 Professuren, Schließung von bis zu 30 kleineren Fächern und jährlich 660 Studienanfänger weniger.

Uni-Präsident Dieter Lenzen und die Chefs der anderen Hochschulen wollen sich das nicht gefallen lassen. "Wir werden uns nicht aktiv am Sparen beteiligen und freiwillig einzelne Fachbereiche schließen", sagte Lenzen. Diese Entscheidungen müsse der Senat schon selbst treffen. Stattdessen drohte der Präsident damit, populäre Einrichtungen wie das Zoologische Museum (mit der ausgestopften Antje) oder den Botanischen Garten in Klein Flottbek zu schließen. Auch die Beteiligung an der beliebten Nacht der Museen werde die Universität absagen.

Nach Angaben der Landeshochschulkonferenz wurde das Hochschulbudget seit 2009 um 32 Millionen Euro gesenkt. Das entspreche sechs bis zehn Prozent des Gesamtetats - während der Haushalt der Stadt um ein Prozent steige. Das werfe den Verdacht auf, dass die Wissenschaft die Erhöhung der anderen Ressorts finanzieren solle, kritisierte Lenzen. Der Vorsitzende der Hochschulkonferenz, HAW-Präsident Michael Stawicki, nannte die Sparpläne "katastrophal". An seiner Hochschule würden jährlich fünf bis sechs Millionen Euro wegfallen, fast zehn Prozent des Etats. "Dann kann ich mich nur noch fragen, ob ich den Flugzeugbau, die Logistik oder die Ernährungswissenschaften dichtmache."

Und es gibt noch weitere Löcher im Haushalt. Für den Uni-Umbau fallen in den kommenden fünf Jahren 800 Millionen Euro an, für Forschungsförderungen ein zweistelliger Millionenbetrag - die Finanzierung ist unklar. Auch ist ungewiss, wie die neun Millionen Euro, die 2012 durch die Rücknahme der Studiengebühren wegfallen, kompensiert werden. Erst ab 2013 ist der Betrag durch den Gesamthaushalt gedeckt.

Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) bezeichnete die Einschnitte als "schmerzhaft". Die Haushaltslage sei "schlimmer als angenommen". Die von den Präsidenten präsentierten Auswirkungen der Sparpläne könne sie aber nicht nachvollziehen, sagte die Senatorin. Ob und inwieweit die Hochschulen betroffen sind, sei noch nicht entschieden.

Aus Sicht der CDU gefährdet der Sparplan die Zukunft der Stadt. Die neue Senatorin hätte stärker für die Hochschulen kämpfen müssen, sagte der wissenschaftspolitische Sprecher der Partei, Thilo Kleibauer. Seine Kollegin von der GAL, Eva Gümbel, sieht gebrochene Wahlversprechen: Bürgermeister Olaf Scholz habe eine Stärkung des Wissenschaftsstandorts zugesagt. Wieland Schinnenburg von der FDP monierte, dass der Senat das Geld kürze, während die Hochschulen wegen der Abschaffung der Wehrpflicht und der doppelten Abitur-Jahrgänge besonders viele Studenten aufnehmen müssten.