Sanierung der Universität Hamburg soll 2012 beginnen

Hamburg. Sein Büro hat der Uni-Präsident schon mal umgebaut. Der schwere Schreibtisch seiner Vorgängerin ist raus. Dort steht nun eine freundliche Sofaecke, auch lässt eine neue Tür mehr Meinung von außen rein. Doch Dieter Lenzen hat Pläne für die gesamte Universität - und plötzlich scheint sein Wunsch, die Sanierung des Campus in die Hände der Hochschule zu geben, in der Behörde auf offene Ohren zu stoßen: "Wir prüfen diesen Ansatz intensiv", sagte Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) dem Abendblatt. Noch kürzlich ging aus internen Schreiben hervor, dass die Stadt diese Aufgabe nicht aus der Hand geben will.

Seit der Uni-Umzug vom Tisch ist und der ehemalige Bürgermeister Ole von Beust einen "dreistelligen Millionenbetrag" für die Sanierung versprochen hat, ist fraglich: Plant die Stadt die Neubauten, ähnlich wie bei den Schulgebäuden im Rahmen eines "Sondervermögens", oder darf die Bauabteilung der Uni bestimmen? Nicht nur die Uni Hamburg ist gegen die erste Variante. Die Chefs aller Hochschulen der Stadt haben sich gegen ein Sondervermögen ausgesprochen. Sie sehen ihre Planungsfreiheit in Gefahr, auch weil sie zu reinen Mietern degradiert würden.

Wie es bisher aussieht, könnten im Jahr 2012 erste Bagger rollen, Investitionen von 100 Millionen Euro sind im Gespräch. Laut Senatorin soll mit naturwissenschaftlichen Gebäuden an der Bundesstraße (Eimsbüttel) begonnen werden. Das Geomatikum, bisher als Abriss-Kandidat gehandelt, könnte erhalten bleiben. Neben den Bau-Planungen sollen auch die Anwohner des Stadtteils einbezogen werden - aus Angst vor Bürgerbegehren gegen eine dichtere und höhere Bebauung.

Angesichts der mehr als zweijährigen Debatte über die bauliche Zukunft zeigt sich SPD-Hochschulpolitiker Philipp-Sebastian Kühn allerdings noch skeptisch: "Planungshoheit der Hochschule ist nur dann sinnvoll, wenn sie angemessen ausfinanziert ist."

Geld für die Wissenschaft, nicht für Gebäude, gibt es jedenfalls ab kommendem Jahr von der neu gegründeten Forschungs- und Wissenschaftsstiftung. Gründungsvorstand Carsten Klein, promovierter Philosoph und Physiker, nimmt ab Oktober die Arbeit auf. 15 Millionen Euro sind jährlich für Grundlagenforschung zu vergeben.

Insgesamt hat die Finanzierung der Wissenschaft aber deutlichen Mehrbedarf: Bei den Ausgaben je Professor liegt die Hansestadt bundesweit nur auf dem 13. Platz, wie aus einer Studie von "DeStatis" hervorgeht.