Hamburgs bester Stadtteil

Hoheluft-West – Wo „Dittsche“ und Nivea zu Hause sind

Hamburgs schönster Stadtteil? Wunderschöne Gründerzeitbauten in Hoheluft-West – das ist die Kottwitzstraße.

Hamburgs schönster Stadtteil? Wunderschöne Gründerzeitbauten in Hoheluft-West – das ist die Kottwitzstraße.

Foto: Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Wo ist es in Hamburg am schönsten? Letzter Teil: Im urbansten Stadtteil mit dem Generalsviertel lebt es sich überraschend ruhig.

Hamburg. Dieses Hoheluft-West macht es einem nicht ganz leicht. Wie zum Beispiel soll man sie nennen, die Menschen, die den Stadtteil bevölkern und beleben? Hohelufterinnen und Hohelufter? Klingt schräg und ist ungenau. Denn das sind die Nachbarn in Hoheluft-Ost ja auch. Also Hoheluft-Westerinnen und Hoheluft-Wester? Ist zwar genauer, klingt aber noch schräger. Eine sprachlich-elegante Lösung gibt es da nicht. Nebenan in Harvestehude, Eimsbüttel und Lokstedt ist es viel einfacher.

Gerade einmal 0,7 Quadratkilometer umfasst der Stadtteil zwischen Isebekkanal im Süden, Troplowitzstraße im Norden, Hoheluftchaussee im Osten und Scheideweg sowie Unnastraße im Westen. Wenig Platz, aber viele Menschen. Hochgerechnet auf einen Quadratkilometer sind es mehr als 19.000, die da wohnen. Das macht Hoheluft-West zum am dichtesten bevölkerten Stadtteil in der Hansestadt. Mehr noch: Das Viertel gilt als das am stärksten verdichtete in ganz Deutschland.

Hoheluft-West – das heißt: wohnen!

Dabei bedeutet Hoheluft-West vor allem: wohnen. Zumeist sehr angenehm und mitten in der Stadt überraschend ruhig wohnen in fünf-, sechsstöckigen Altbauten. Die wurden schon vor weit mehr als hundert Jahren hingestellt, wo vorher eine Kuhweide war. Initiiert von einem privaten Investor muss man sich das, was ab etwa 1880 geschah, wie den Bau einer Großsiedlung vorstellen.

Die Mietshäuser wurden nach einer Handvoll Standard-Grundrissen errichtet. Die zwei Repräsentationsräume zur Straße raus und der lange Flur zu den hinteren Zimmern machen die meisten Wohnungen zum berühmten „Hamburger Knochen“. Schade nur, dass damals das Wort „Trittschalldämmung“ noch nicht erfunden war.

Das Generalsviertel – das Herz des Stadtteils

Der – schon damals im industriellen Maßstab gefertigte – Stuck an Fassaden und Decken, schnörkelige Balkongeländer und Vorgartenzäune, Pitchpine-Dielen, die noch heute verraten, wo genau dereinst der Kohleofen stand. Es ist eine Orgie der Jugendstil-Architektur, in die sich da und dort schlichtere Neorenaissance mischt. Die meisten Straßen sind wie ehedem kopfsteingepflastert, bestanden von alten Bäumen und benannt nach hochrangigen Militärs: Manstein, Gneisenau, Kottwitz, Roon, Wrangel, Moltke – allesamt preußischer General – denen damals im nationalen Taumel nach der Gründung des Deutschen Reichs gehuldigt wurde. Und natürlich dem Reichskanzler Otto von Bismarck.

Dieses Generalsviertel ist das Herz von Hoheluft-West. Und heute eine der beliebtesten Wohnlagen der Stadt. Ein Magnet vor allem für junge Familien und sämtliche Spielarten der urbanen Boheme. Wer erstmal da ist, zieht ungern wieder weg. Gerade für Familien aber bleibt manchmal keine andere Wahl. Die meisten Wohnungen sind nicht größer als 70, 80 Quadratmeter. Zu viert kann es da schon sehr beengt sein.

Hoheluft-West: Das sind die Fakten

  • Einwohner: 13.438
  • Davon unter 18: 1674
  • Über 65: 1852
  • Durchschnittseinkommen: 42.169 € (2013)
  • Fläche: 0,7 km²
  • Anzahl Kitas: 9
  • Anzahl Schulen: 1 Grundschule; 1 Gymnasium
  • Wohngebäude: 803
  • Wohnungen: 8022
  • Niedergelassene Ärzte: 27
  • Straftaten im Jahr 2018: Erfasst: 628; Aufgeklärt: 219

Mit dem Hinziehen ist es aber so eine Sache. Das Angebot ist schmal, Mieten und Wohnungspreise sind geradezu explodiert. Vor zehn, 15 Jahren ließ sich mit ein bisschen Glück noch einigermaßen günstig kaufen. Doch seit geraumer Zeit gehört Hoheluft-West zu den Stadtteilen, die auf der Rangliste der Viertel mit den höchsten Steigerungsraten der Preise für Eigentumswohnungen einen der vorderen Plätze belegen. Selbst Doppelverdiener-Haushalte ächzen unter den stetig steigenden Mietpreisen.

Gutbürgerlich? Kann man so sagen...

Als „gutbürgerlich“ wird der Stadtteil von manchen bezeichnet. Kann man so sagen, wobei „bürgerlich modern“ es wohl besser trifft. Das belegen jedenfalls die Wahlergebnisse. Hoheluft-West wählt links. Grüne und SPD zusammen bringen es regelmäßig auf mehr als zwei Drittel der Stimmen. Insbesondere für die Grünen sind Stadtteil und Bewohner eine Erfolgsgeschichte. Bereits bei der Bürgerschaftswahl 1982 machten knapp 15 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei der Ökopartei. Bei der jüngsten Bezirkswahl waren es knapp 50 Prozent. Der Hoheluft-Westen war damit nach Eimsbüttel der zweitgrünste Stadtteil der Stadt.

Politisch jedenfalls, im herkömmlichen Sinne dagegen hat man es nicht so mit dem Stadt-Grün. Ja, da ist der Mansteinpark am Isebekkanal, aber das war es dann auch schon.

Die Grundversorgung ist sichergestellt: Und was es in Hoheluft-West nicht gibt, das gibt es eben in der Nähe und nur ein paar Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad in einem der Nachbarstadtteile. Mal abgesehen davon, dass kein Platz dafür wäre: Wozu ein eigener Wochenmarkt, wo doch der Isemarkt in Harvestehude schon da ist?

Kino, Kirche, Kultur, weiterführende Schulen, Sportplätze und -hallen – alles vorhanden. Nur eben jenseits der Stadtteilgrenze, aber trotzdem ganz nahe bei. Für einen Besuch im Café oder Restaurant, beim Weinhändler oder im Fischladen dagegen muss man diese Grenze nicht überschreiten. Und der Rewe-Supermarkt an der Hoheluftchaussee schließt erst um 24 Uhr und ist um 7 Uhr schon wieder geöffnet. Urbaner geht’s nicht.

Kaum ein anderer Stadtteil liegt zentraler

Und sonst? In der Grill-Station am Eppendorfer Weg gehen Schaschlik, Bratkartoffeln und deftiger Mittagstisch über genau den Imbiss-Tresen, vor dem „Dittsche“ (Olli Dittrich) im Fernsehen den Lauf der Dinge einordnet. Eines der weltweit bekanntesten deutschen Unternehmen und der einzige Hamburger Konzern, der im Börsenindex DAX notiert ist, Nivea-Hersteller Beiersdorf AG, hat seinen Sitz an der Unnastraße.

Was aber ist es denn nun, was das Leben dort so angenehm macht? Die Antwort mag erst mal komisch klingen: Man kommt so gut weg. Wohl kein anderer Stadtteil liegt dermaßen zentral und ist so gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Da ist die Buslinie 5, da sind die drei wirklich relevanten U-Bahn-Linien: Die U3 ab Hoheluftbrücke (liegt übrigens in Harvestehude) und die U2 ab Schlump (Eimsbüttel) sind fix erreicht.

Selbst zur U1 am Klosterstern hat man es aus dem Generalsviertel weniger weit als mancher, der in Harvestehude lebt. Schneller und bequemer geht es kaum, wenn man denn mal vorübergehend wegwill – oder muss in einen anderen Teil der Stadt. Dahin, wo es nicht ganz so nett, angenehm, schön, urban und bequem zugeht. Und das Gute ist ja: Wer schnell wegkommt, der ist auch schnell wieder zurück.

Hoheluft-West: Das sind die Highlights

1. „Dittsche“ sein Imbiss

Die Eppendorfer Grill-Station ist – blödes Wort, aber hier stimmt’s – Kult. Pommes Schranke, Mittagstisch. Und durchs Schaufenster am Eppendorfer Weg 172 kann man zuschauen, wie aus Hähnchen und Haxn im Grill das Fett abtropft. Bundesweit bekannt, weil genau hier Olli „Dittsche“ Dittrich („Ma sagn“) im Bademantel uns das wirklich wahre Leben erklärt.

2. Roonstraße

Die 360 Meter zwischen Bismarckstraße und Eppendorfer Weg gelten als die schönste Straße im Generalsviertel: Kopfsteinpflaster, alte Bäume, spektakuläre Jugendstil-Fassaden. Benannt nach dem preußischen Generalfeldmarschall Albrecht von Roon (1803–1879). Wer hinziehen will, muss viel Glück haben. Und viel Geld. Egal ob kaufen oder mieten: Es wird teuer.

3. Mansteinpark

Was andernorts allenfalls als breiterer Grünstreifen durchgehen würde, ist in Hoheluft-West ein Park. Der einzige nennenswerte im Stadtteil. Er zieht sich zwischen Hoheluft- und Mansteinbrücke am Isebekkanal entlang. In dem sollen sogar Hechte und Karpfen schwimmen. Wenn man sich im Park richtig hinstellt, sieht man ausnahmsweise mal keine Häuser.