Hamburg

16 Herzspezialisten wechseln vom UKE zu Asklepios

Prof. Dr. Stephan Willems , Nachfolger von Prof. Karl-Heinz Kuck an der Asklepios Klinik St. Georg, bringt 20 Mitarbeiter vom UKE mit.

Prof. Dr. Stephan Willems , Nachfolger von Prof. Karl-Heinz Kuck an der Asklepios Klinik St. Georg, bringt 20 Mitarbeiter vom UKE mit.

Foto: Andreas Laible

Mediziner gehen mit Professor Stephan Willems, dem neuen Chefarzt im AK St. Georg und Kuck-Nachfolger. Die Hintergründe.

Hamburg. Mit 16 neuen Ärzten will die Asklepios Klinik St. Georg ihre Stellung als führender Standort für die Behandlungen von Herzerkrankungen weiter ausbauen. Zum 1. Juli wechselt Professor Stephan Willems zusammen mit 15 Kollegen und vier weiteren Mitarbeitern vom Uniklinikum Eppendorf (UKE) zur Konkurrenz.

Willems war 24 Jahre lang für das UKE tätig und hat sich einen Namen im Bereich Herzrhythmusstörungen gemacht. „Die Chefarztposition in St. Georg ist eine sehr renommierte Stelle“, sagte er dem Hamburger Abendblatt. „Hier steckt ein enormes Potenzial. Diese Klinik zu führen und weiterzuentwickeln hat mich sehr gereizt.“ Willems folgt auf Prof. Karl-Heinz Kuck (67), der 2016 wegen Abrechnungsbetruges verurteilt worden war und dessen Vertrag Ende Juni ausläuft.

Asklepios-Abwerbung: UKE stellt Willems frei

Aus Sorge, dass er zu viele Kollegen zu Asklepios abwerben könne, hatte man Willems im UKE nach seiner Kündigung im Oktober bereits Ende 2018 freigestellt, ein eher ungewöhnlicher Vorgang in der Branche. „Das war für alle Beteiligten nicht leicht“, so Willems. Besonders seine Patienten habe es in eine schwierige Situation gebracht. „Wir hatten Termine vergeben, die konnte ich von heute auf morgen nicht mehr einhalten.“

Auch seine Kollegen habe die plötzliche Freistellung verunsichert, sagt Willems. „Und so hat das UKE eigentlich eher das Gegenteil erreicht.“ Stück für Stück hätten sich immer mehr Kollegen für einen Wechsel interessiert. Für Willems ist dies kein ungewöhnlicher Vorgang. „Die Kolleginnen und Kollegen sind alle so autonom. Jeder hat für sich selbst entschieden, ob es ein attraktives Angebot ist oder nicht.“ Für viele habe es in St. Georg Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten gegeben. „Sie finden es spannend, etwas Neues zu machen.“

Bis zum 1. Juli wird der Kardiologe noch in der Asklepios Klinik Harburg arbeiten. Dort hatte er Anfang des Jahres die Leitung übernommen. Für Willems ist der Wechsel von insgesamt 16 UKE-Herzspezialisten ein „Ausdruck der Vitalität des Systems“. Immer wieder würden Kollegen hin und her wechseln, um sich weiterentwickeln zu können, sagt er. Dazu sei eine allgemeine Unsicherheit gekommen durch die personelle Veränderung im UKE. „Wenn ein Chef geht machen sich die Kollegen immer Gedanken, wie es für sie weitergeht.“

"Fluktuation bei Chefarztwechsel üblich"

Auch in Eppendorf scheint man den Wechsel mittlerweile gelassen zu nehmen: „Eine gewisse Fluktuation ist bei einem Chefarztwechsel durchaus üblich“, sagt UKE-Sprecherin Anja Brandt. „Bei den 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in Asklepios St. Georg ihre Tätigkeit aufnehmen werden, handelt es sich um administratives wie auch medizinisches Personal. Einige dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben projekt- und studiengebunden eng mit Professor Willems zusammengearbeitet und sollen ihn auch in seiner neuen Position unterstützen.“

Ähnlich äußern sich die wechselnden Kollegen. „Ich freue mich, mit meinem langjährigen Chef und Mentor Stephan Willems in St. Georg die äußerst erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fortzusetzen. Wir verstärken als eingespieltes Team die bereits bestehende Mannschaft und werden zusammen innovativ und patientenzentriert arbeiten“, sagt beispielsweise Oberarzt Dr. Nils Gosau.

Willems will das Krankenhaus St. Georg zusammen mit den Kollegen weiter ausbauen: „Ich denke, man kann das Potenzial, das dort am Standort ist, mit dem Herzteam aus neuen und eta­blierten Mitarbeitern noch mehr ausschöpfen.“ Dazu wolle er ganz eigene Akzente setzen, etwa im Bereich Herzrhythmustherapie und Herzschwäche. „Ich möchte, dass wir bei allem, was wir tun, den Mensch in den Mittelpunkt stellen“ – trotz des allgemein herrschenden Kostendrucks.