Gesundheit

Hamburger setzen verstärkt auf den Doktor aus dem Internet

David Meinertz, CEO von Europas größter Online-Arztpraxis DrEd, die sich jetzt Zava nennt

David Meinertz, CEO von Europas größter Online-Arztpraxis DrEd, die sich jetzt Zava nennt

Foto: Andreas Laible / A.Laible

Ärztliche Hilfe von Zava und anderen Plattformen häufiger nachgefragt. Doktor-Chat beliebter als Video-Sprechstunde.

Hamburg gehört zu den deutschen Städten, in denen immer mehr Menschen medizinische Beratung und Behandlungshinweise im Internet suchen. Nach einer Auswertung der Online-Arztpraxis Zava (früher: DrEd) gehören Hamburg und sein Umland, der Großraum Berlin, das Rhein-Ruhr-Gebiet sowie Frankfurt und der Rhein-Neckar-Raum zu den Gegenden, aus denen die meisten deutschen Patienten kommen.

Zava wurde von dem Hamburger Unternehmer David Meinertz 2011 in London gegründet. Seit 2014 ist die Plattform profitabel und hat allein im vergangenen Jahr mit seinen Allgemeinmedizinern, Internisten, Gynäkologen und Neurologen eine Million telemedizinische Beratungen und Behandlungen in Europa durchgeführt.

Online-Arztpraxis Zava verdoppelt Mitarbeiterzahl

Der Trend sei stark steigend, sagte Meinertz dem Abendblatt. „Unsere ärztlichen Leistungen werden immer stärker nachgefragt. Im letzten Jahr haben wir unser Team von 80 auf 160 Mitarbeiter verdoppelt.” Zava werde nach dem Fallen des Fernbehandlungsverbotes jetzt auch in Deutschland einen Standort errichten. Das könne auch in Norddeutschland sein. Die Überlegungen dazu seien noch nicht abgeschlossen. Möglicherweise spielt der herannahende Brexit dabei eine Rolle.

Meinertz sagte, auch in Zukunft werde nicht so sehr die Video-Sprechstunde im Vordergrund stehen. Dieses Format komme den Patienten nicht so sehr entgegen wie der Austausch von Daten über Formulare, das Ausstellen von Rezepten oder Internet-Beratungen via Chat ohne den Kontakt über einen Bildschirm. Wichtig sei, dass die Beratung transparent dokumentiert werde.

Skepsis bei Ärztekammer und KV

Meinertz sagte: „Die Video-Sprechstunde alleine funktioniert nicht. Auch wenn sie Patienten Fahrt- und Wartezeit spart, liefert sie keine Effizienz für das Gesundheitssystem.” Nach Zahlen der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung hätten im letzten Quartal 2017 bundesweit nur 68 Versicherte telemedizinische Beratung in Anspruch genommen.

In Hamburg machen sich derzeit die sogenannten „Alpha-Ärzte“ breit, die gegen private Rechnungen Hausbesuche für 180 Euro anbieten. Die Hamburger Ärztekammer sieht deren Angebot skeptisch, wie das Abendblatt berichtete. Die Kassenärztliche Vereinigung reagierte mit dem Schalten einer Anzeige, in der sie darauf hinwies, dass die Kassenärzte für 0 Euro zu Hausbesuchen kämen und unter der Telefonnummer 116 117 zu erreichen seien.