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Das Hamburger Kinderbuchhaus feiert Jubiläum

Das Kinderbuchhaus im Altonaer
Museum feiert Jubiläum

Das Kinderbuchhaus im Altonaer Museum feiert Jubiläum

Foto: Kinderbuchhaus / HA

Grund genug, einige der besten Hamburger Illustratoren vorzustellen. Mit dabei: die Frau, die Harry Potter zeichnete.

Es war einmal ein Sohn namens Henri. Der knabberte schon als Einjähriger begeistert die Pixi-Bücher an, die ihm seine Mutter vorlas. Später kamen Bilderbücher dazu. Und noch später stellte die Mama fest, dass viele der Künstler, die die Bücher illustriert hatten, in Hamburg lebten – dass das aber kaum einer wusste. Dagmar Gausmann-Läpple, von Haus aus Kunsthistorikerin, hatte bis dahin mit Kinderbüchern nicht viel zu tun gehabt. Doch als die Idee, die versammelte Kreativität der Zeichner zu bündeln, einmal in der Welt war, ließ sie Gausmann-Läpple nicht mehr los.

In Fach- und Fankreisen gilt Hamburg als Deutschlands Hauptstadt des Kinderbuchs. Das liegt zum einen an den zahlreichen Verlagen wie Carlsen oder Oetinger und zum anderen an der traditionell guten Ausbildung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) oder der Hochschule für Bildende Künste (HfBK). Viele der Absolventen bleiben nach der Ausbildung einfach hier und arbeiten in Ateliers zusammen. „Ich kann Ihnen auf Anhieb mindestens 30 Hamburger Illustratoren nennen, die richtig gut sind“, sagt Dagmar Gausmann-Läpple. „Das ist eine sehr lebendige Szene.“

Gausmann-Läpple hat dieser Szene ein Forum geschenkt, und das heißt zunächst einmal: einen Raum für sie gefunden. Der war anfangs leer und weiß. Ein nicht genutztes Zimmer im Dachgeschoss des Altonaer Museums, 55 Quadratmeter groß, hat sie zum Leben erweckt. Aus einem Kabuff wurde ein Königreich für Kinderbücher.

Plötzlich war da eine Anlaufstelle für Autoren und Zeichner. Ein Ort für Lesungen und Workshops, für Ausstellungen und für viele kleine Besucher, die sich manchmal einfach mit einem Bilderbuch in die bunten Stühle vergraben, um in eine andere, oftmals fantastische Welt abzutauchen.

Gausmann-Läpple ist mit ihrer Idee ins Rathaus gegangen. In der damaligen Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) und in Werner Frömming, dem Referatsleiter für Kinder- und Jugendkultur, fand sie starke Verbündete. Sie beantragte Fördergeld. Mit 4000 Euro stellte sie im ersten Jahr ein kleines Programm auf die Beine. Über die Jahre wurden daraus 14 Ausstellungen, getreu Gausmann-Läpples Credo: Lesen lernen beginnt mit dem Lesen der Bilder.

„All die Bilder, die uns ständig begleiten, entschlüsseln und interpretieren zu lernen, das ist eine Art Freischwimmer, der jedem Kind offenstehen sollte“, sagt Gausmann-Läpple. Ihrer Ansicht nach muss ein Kinderbuchhaus etwas anderes sein als ein ­Literaturhaus für Kinder. Kinder lernen durchs Tun. Heute kommen die Kita-Gruppen und Schulklassen in Scharen, um mit den Künstlern zu entdecken, wie ein Buch entsteht. Um mit der Autorin Kristina Calvert zu philosophieren. Oder um im Theaterspiel die Figuren lebendig werden zu lassen.

Eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch also – wenn darüber nicht ständig dunkle Wolken hingen. Denn auch nach einer zehnjährigen Erfolgsgeschichte mit zauberhaften Ausstellungen über Heringe, Glücksschweine und fliegende Mäuse sowie mit Tausenden begeisterten Besuchern ist die Finanzierung des Kinderbuchhauses nicht gesichert. „Es gibt jede Menge Lob und politische Aussagen, wie wichtig wir sind“, sagt Gausmann-Läpple. Und das wird auch bei der Jubiläumsfeier so sein. „Aber es gibt nach wie vor keine Regelfinanzierung.“ Ohne die großzügige Unterstützung über all die Jahre durch Sponsoren, allen voran die Stiftung Maritim von Hermann und Milena Ebel, ginge es nicht.

Seit 2013 hat das Kinderbuchhaus jährlich 50.000 Euro von der Kultur­behörde erhalten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Davon bezahlt Gausmann-Läpple Miete, Personalkosten und Künstlerhonorare. „Ausstellungen können wir uns eigentlich nicht leisten“, sagt sie. Zudem komme das Geld nicht aus dem regulären Haushalt, sondern sei eine Sonderfinanzierung. Also jedes Jahr wieder betteln und bangen.

Klar, dass Gausmann-Läpple zum Jubiläum einen Rucksack voller Wünsche hat. Sie möchte die Räume besser ausstatten, sodass dort auch mal Filme gezeigt werden können. Sie möchte ihr Ausstellungsteam vergrößern. Sie möchte ein bis zwei Festangestellte für die wichtige Arbeit, die über all die Jahre auch von ganz vielen Ehrenamtlichen mitgestaltet wird.

„Wir haben uns ein Niveau erarbeitet, dem wir jedes Mal aufs Neue gerecht werden müssen“, sagt sie. So ist das eben, Qualität kostet. Soll sie. Zum Wohle der Künstler. Und vor allem zum Wohle der Kinder dieser Stadt.

An diesem Sonntag um 11.30 Uhr bittet das Kinderbuchhaus aus Anlass des Weltkinderfests zu einer Solidaritätslesung aus Uticha Marmons Buch „Mein Freund Salim“. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Flüchtlingsambulanz für Kinder und Jugendliche am UKE wird gebeten.