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Sabine Wilharm

Selbstporträt von Sabine Wilharm

Selbstporträt von Sabine Wilharm

Foto: Sabine Wilharm

Wer hat eigentlich gesagt, dass Illustratoren immer Menschengestalt haben müssen? Sabine Wilharm hat sich mal kurz als Ente porträtiert. „Manchmal ist mir so“, sagt sie.

Das reicht in ihrer Branche als Motivation vollkommen aus. Jedenfalls wenn man Sabine Wilharm heißt. Die 60-Jährige – in echt ist sie groß, drahtig und trägt dunkle, kurze Haare – ist eine der wenigen Kinderbuchillus­tratorinnen, die auch über Fachkreise hinaus eine gewisse Berühmtheit erlangt haben, wenn auch nicht unbedingt namentlich. Doch den schlauen, bebrillten Jungen, dem sie in ein paar entschlossenen, fast abstrahierenden Strichen Gestalt gab, den kennt hierzulande wohl fast jeder: Wilharm hat für den Carlsen Verlag die Einbände der deutschen Jugendbuchausgabe von „Harry Potter“ illustriert.

Zu zeichnen, wie ihr gerade ist, das verrät viel über Wilharms künstlerisches Selbstverständnis. Sie beherrscht die Kunst, sich beim Zeichnen vom Moment leiten zu lassen. In­spiration könnte man das auch hochtrabend nennen. Über die sensible Balance zwischen Nachdenken einerseits und den Impulsen aus dem Unbewussten andererseits sagt sie: „Man braucht beides! Man muss es aushalten können, dass das Gehirn sich seine eigenen, scheinbar zufälligen Wege sucht.“ Mehr als ein Grundthema benötigt sie nicht, um anzufangen. Dann zeichnet sie und vertraut darauf, dass das Gezeichnete Ideenfelder öffnet: „Die Einfälle, die durch die Skizzen entstehen, können die Grundidee völlig verändern. Zum Beispiel kann eine Figur viel mutiger ausfallen als zunächst gedacht.“

Die Kinderliteratur ist eine Konstante in Wilharms Werdegang. Wie so viele ihrer Kollegen hat sie an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg studiert, heute Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). 25 Jahre lang hat sie dort auch unterrichtet. Sie hat Bildergeschichten und Karikaturen für politische Magazine gezeichnet. Und natürlich zeichnet sie auch literarisch für Erwachsene. Im Oktober erscheint bei cbj ein Nonsens-Buch von ihr. Wilharm hat sich Gedichte von Jandl, Morgenstern und Ringelnatz vorgenommen. Man muss kein Hellseher sein, um sich vorzustellen, was für ein Fest der Fantasie und des absurden Humors das wird. Doch befragt, was sie als Nächstes vorhat, erwidert sie: „Weiß ich noch nicht. Ich würde gern eine eigene, schön opulente Geschichte machen, das wär’s.“

So wie das Buch, das 2014 im Aladin Verlag erschien. Idee: Sabine Wilharm, Bilder: Sabine Wilharm, Texte: Sabine Wilharm. Sein Titel? „Kann ich wohl!“ Was für ein Motto.