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Stefanie Harjes

Selbstporträt von Stefanie Harjes

Selbstporträt von Stefanie Harjes

Foto: Stefanie Harjes

Ein Engel? Stefanie Harjes lacht. Nein, das sei sie im echten Leben ganz bestimmt nicht. Ihre rötlichblonden Locken und die elfenhafte Gestalt einmal beiseite: So wie Harjes im Gespräch vor unbekümmerten Assoziationen sprüht, erinnert sie an Pippi Langstrumpf. Auf jeden Fall an jemanden, der unglaublich viel Spaß mit Kindern hat. „Ich sage ihnen immer: Werft bloß nie was weg!“, erzählt die 47-Jährige und betont, dass sie, anders als Pippi, keine Sachensucherin sei, sondern eine Sachenfinderin.

Bei ihrem Selbstporträt hat sie nicht an einen Engel gedacht, sondern an einen Vogel. „Das war gerade so meine Verfassung. Ich arbeite sehr assoziativ und weiß nie, wohin mich das Bild führen wird. Wenn ich nur die Zutaten anzureichen brauche und das Bild wie von allein entsteht, dann habe ich das Gefühl, ich fange an zu fliegen. Und der andere, der gebrochene Flügel, den fühle ich, wenn die Muse mich gerade nicht küssen will.“

Den Mut zum künstlerischen Abheben und die entsprechenden Techniken hat sich Harjes, wie so viele ihrer Kollegen, beim Studium an der heutigen HAW erworben. Und auch die grenzenlose, genreunabhängige Neugier. Sie hat klassische Sagen illustriert, sie ist die Schöpferin von „Lola auf der Erbse“, und zurzeit sitzt sie über Tschingis Aitmatovs Liebesgeschichte „Dshamilja“.

Nur Kompromisse macht Harjes nicht. „Das ginge einfach nicht. Ich mische mich überall ein, bei Schrift, Satz, Papierauswahl. Es geht mir um das gesamte Buch.“ So viel Hartnäckigkeit erträgt nicht jeder Verlag – und ein Künstler muss sie sich auch erst einmal leisten können. Harjes kann. Lang ist die Liste ihrer Auszeichnungen und Nominierungen; vor wenigen Tagen erst ist sie offiziell unter die 30 Illus­tratoren gewählt worden, die Deutschland auf der Kinderbuchmesse in Bologna vertreten werden, der wichtigsten Fachmesse der Branche. Ihr Buch „Kafka“, eine sehr persönliche künstlerische Auseinandersetzung mit dem großen Dichter, erregt auch Jahre nach dem Erscheinen immer noch Aufsehen.

Ihr größter Erfolg? Ganz früher hat sie mal ernährungswissenschaftliche Bücher illustriert. „Das sind richtige Longseller!“ Spricht’s und lacht wieder. Und es klingt gar nicht nach Engel.