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Dieter Wiesmüller

Selbstporträt von Dieter Wiesmüller

Selbstporträt von Dieter Wiesmüller

Foto: HA

Was ist nur so seltsam an dem Eichhörnchen? Die Kulleraugen, die Ohren mit den langen Haaren, der kindlich runde Kopf, das stimmt doch alles! Und wirkt obendrein so plastisch, dass man die Hand ausstrecken und über das dichte Fell streichen möchte. Geht aber nicht. Das Tier ist gezeichnet.

Die realistisch präzise Wiedergabe ist typisch für Dieter Wiesmüller. Amerikanische Realisten und „Neue Sachlichkeit“ waren die Vorbilder für seinen Stil. Wiesmüller arbeitet in unterschiedlichen Techniken und mit unterschiedlichsten Materialien, von Farbstiften über Tempera bis zur Lasur. „Ich komme vom Zeichnen“, sagt Wiesmüller, „das habe ich immer sehr geliebt. Ich entwerfe mit dem Bleistift. Aber das Bild muss farbig sein! “

Dennoch ist seinem nadelfeinen Strich die jahrzehntelange Übung als Magazinillustrator anzusehen. Wiesmüller, Jahrgang 1950 und im Wesentlichen in Hamburg aufgewachsen, hat nach seinem Studium der Grafik, Malerei und Illus­tration an der heutigen HAW für „Stern“ und „Spiegel“ Covers gemalt und Essays bebildert. „Diese Arbeit fand ich einfach toll. Trotz des Zeitdrucks. Man konnte etwas anbieten“, erinnert er sich. „Aber die Abläufe haben sich sehr verändert. Es macht mir Schwierigkeiten, wenn jemand schon eine Vorstellung vom Bildmotiv hat.“

Also die ganz große Freiheit des Künstlers? Die empfindet Wiesmüller auch dann nicht, wenn er Kinder- und Jugendbücher illustriert und textet. „Dann arbeite ich ja auch für einen Adressaten.“ Dieser Ansatz überzeugt offenkundig. So wie bei dem Eichhörnchen aus dem Buch „Wär’n Kleine groß und Große klein“ (Carlsen). Dem Tier sitzt ein winziger Luchs gegenüber. Nur durch diesen Kontrast wirkt es so riesig. Was für ein raffinierter Kniff, den Betrachter über das eigene Hinschauen ins Nachdenken zu bringen!

Wiesmüller hat für seine Arbeit so renommierte Preise bekommen wie den „Luchs“ der Wochenzeitung „Die Zeit“. Den Troisdorfer Bilderbuchpreis erhielt er für seine Bildergeschichte „Komm mit, Moritz“. Soeben ist im Tulipan Verlag „Pin Kaiser und Fip Husar“ erschienen, und das nächste Projekt hat er schon im Blick: ein Bilderbuch über Jungs und ihre Ritterburg. Der Stoff geht Wiesmüller nicht aus. „Ich liebe das Abenteuer, Bilder zu machen!“