Trotz Embargos

Hamburger soll Reaktorteile in den Iran geliefert haben

Rudolf M. und seine drei mutmaßlichen iranischen Komplizen sollen 2010 und 2011 Ventile für einen Reaktor an das Regime geliefert haben.

Hamburg/Karlsruhe. Ein Hamburger Kaufmann ist zeitgleich mit drei mutmaßlichen Komplizen unter dem Verdacht festgenommen worden, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz verstoßen zu haben. Die aus drei Iranern und dem Deutschen Rudolf M. bestehende Gruppe soll in den Jahren 2010 und 2011 Spezialventile für den Bau eines Schwerwasserreaktors in den Iran geliefert und damit gegen das Iran-Embargo verstoßen haben. Der Generalbundesanwalt führt in diesem Fall die Ermittlungen. Ein Sprecher der obersten Anklagebehörde: "Die Lieferungen waren geeignet, die auswärtigen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland erheblich zu gefährden." Den Männern drohen hohe Strafen. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

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Von Hamburg, Oldenburg, Halle an der Saale und Weimar aus sollen Rudolf M., Kianzad K., Gholamali K. und Hamid K. die Spezialventile an Mittelsmänner in der Türkei und Aserbaidschan geliefert haben. Dabei soll ihnen, so die Ermittler, klar gewesen sein, dass es sich bei den Empfängern um Tarnfirmen eines Mittelsmannes des für den Bau zuständigen iranischen Unternehmens handelte. Das Volumen des Auftrags belief sich nach Ermittlungen auf mehrere Millionen Euro. Anhand der Ventile aus Deutschland soll der Iran versucht haben, Kenntnisse zu erlangen, die zum Bau eines Schwerwasserreaktors notwendig sind.

An der Razzia beteiligten sich am Mittwochmorgen mehr als 90 Beamte des Zollfahndungsdienstes unter Leitung der Bundesanwaltschaft. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichthofes verkündete den Verdächtigen noch gestern ihre Haftbefehle. Das Zollkriminalamt will nun die Hintergründe des Geschäftes ermitteln.

Schwerwasserreaktoren sind Kernreaktoren, bei denen sogenanntes Schweres Wasser (D2O) als Kühlmittel benutzt wird. Entsprechende Anlagen können mit Uran in der natürlichen Isotopenzusammensetzung betrieben werden.

( (jel) )

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